Spüren Katzen ein Gewitter, bevor wir es hören?

Juni 2026

Autor: Corina Käsler, Geschäftsführerin Katzengesellschaft

Aufmerksame getigerte Katze sitzt auf einer Fensterbank und blickt auf ein herannahendes Gewitter mit dunklen Wolken und einem Blitz in der Ferne.

„Dass Katzen unterschiedlich auf Gewitter reagieren, ist kein Zeichen von Mut oder Angst. Es zeigt, wie unterschiedlich jede Katze ihre Umwelt wahrnimmt und bewertet.“ — Katzengesellschaft mbH

Warum manche Katzen gelassen bleiben – und andere in Panik geraten

Während viele Menschen ein Sommergewitter erst wahrnehmen, wenn die ersten Donnerschläge zu hören sind oder der Regen gegen die Fenster prasselt, scheinen manche Katzen deutlich früher zu wissen, dass sich etwas verändert. Sie ziehen sich zurück, werden unruhig, suchen ungewöhnliche Verstecke oder wirken angespannt, obwohl draußen noch alles ruhig erscheint.

Andere Katzen hingegen liegen entspannt auf ihrem Lieblingsplatz, selbst wenn Donner und Blitz die Nacht erhellen.

Warum reagieren Katzen so unterschiedlich auf Gewitter? Können sie Wetterveränderungen tatsächlich früher wahrnehmen als wir? Und was können Halter tun, wenn ihre Katze bei Gewittern Angst entwickelt?

Die Antworten liegen in einer Kombination aus außergewöhnlichen Sinnesleistungen, individuellen Erfahrungen und der Persönlichkeit jeder einzelnen Katze.

Können Katzen ein Gewitter tatsächlich früher bemerken als wir?

Viele Katzenhalter beobachten, dass ihre Katze bereits unruhig wird, lange bevor die ersten Regentropfen fallen oder ein Donnerschlag zu hören ist. Manche Tiere ziehen sich zurück, andere laufen rastlos durch die Wohnung oder suchen die Nähe ihrer Bezugsperson. Wenig später zieht ein Gewitter auf.

Ob Katzen bevorstehende Gewitter tatsächlich wahrnehmen können, wird wissenschaftlich seit Jahrzehnten diskutiert. Die Frage ist nicht, ob Katzen das Wetter „vorhersagen“ können. Entscheidend ist vielmehr, welche Veränderungen in der Umwelt bereits vor einem Gewitter auftreten und welche davon von Katzen registriert werden können.

Ein Gewitter beginnt nicht erst mit Blitz und Donner. Bereits Stunden vorher verändern sich Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Windverhältnisse und elektrische Spannungen in der Atmosphäre. Gleichzeitig entstehen Geräusche und Schwingungen, die sich über große Entfernungen ausbreiten.

Katzen verfügen über Sinnesleistungen, die in mehreren Bereichen deutlich empfindlicher sind als die des Menschen. Ihr Hörvermögen reicht bis etwa 64 Kilohertz. Menschen hören dagegen meist nur bis etwa 20 Kilohertz, im Erwachsenenalter oft deutlich weniger. Viele Geräusche, die für eine Katze wahrnehmbar sind, bleiben Menschen daher vollständig verborgen.

Einige Forscher vermuten, dass Tiere zusätzlich auf niederfrequente Schwingungen reagieren können, die bei Gewittern entstehen. Solche Schwingungen breiten sich über große Entfernungen aus und erreichen einen Ort oft lange vor dem eigentlichen Unwetter. Für verschiedene Tierarten gibt es Hinweise auf entsprechende Reaktionen. Bei Katzen ist die Datenlage bislang deutlich begrenzter.

Nach aktuellem Kenntnisstand spricht vieles dafür, dass Katzen nicht auf ein einzelnes Signal reagieren. Wahrscheinlicher ist eine Kombination verschiedener Umweltreize, die vom Nervensystem der Katze verarbeitet und gemeinsam bewertet werden.Während Menschen viele dieser Veränderungen nicht bewusst bemerken, können sie für eine Katze Teil eines deutlich wahrnehmbaren Musters sein.

Nicht jede Katze reagiert auf diese Signale gleichermaßen. Wie stark eine Katze Veränderungen wahrnimmt und als relevant einstuft, hängt unter anderem von ihrer Persönlichkeit, ihren Erfahrungen und ihrem individuellen Stressverhalten ab.

Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und elektrische Ladungen: Was verändert sich vor einem Gewitter?

Die auffälligsten Bestandteile eines Gewitters sind Blitz, Donner und starker Regen. Aus meteorologischer Sicht beginnt ein Gewitter jedoch deutlich früher. Bereits während sich Gewitterzellen bilden, verändern sich verschiedene Eigenschaften der Atmosphäre.

Besonders häufig wird über den Luftdruck diskutiert. Vor vielen Gewittern fällt der Luftdruck ab, teilweise innerhalb weniger Stunden. Menschen nehmen solche Veränderungen normalerweise nicht bewusst wahr. Bei Tieren wird seit langem untersucht, ob sie empfindlicher auf diese Schwankungen reagieren.

Für verschiedene Tierarten gibt es Hinweise darauf, dass Luftdruckänderungen Verhalten beeinflussen können. Zugvögel verändern vor Wetterumschwüngen teilweise ihre Aktivität. Auch bei einigen Säugetieren wurden Veränderungen des Bewegungs- und Fressverhaltens beschrieben. Bei Katzen existieren bislang vor allem Beobachtungen von Haltern und Tierärzten. Kontrollierte wissenschaftliche Studien sind selten.

Neben dem Luftdruck verändert sich häufig die Luftfeuchtigkeit. Die Luft wird schwerer, feuchter und wärmer. Menschen empfinden diese Bedingungen oft als drückend oder unangenehm. Katzen verfügen über ein sehr sensibles Geruchssystem, dessen Funktion eng mit den Eigenschaften der eingeatmeten Luft verbunden ist.

Eine Katze besitzt je nach Schätzung zwischen 50 und 80 Millionen Geruchsrezeptoren. Beim Menschen sind es etwa fünf bis sechs Millionen. Schon geringe Veränderungen in der Zusammensetzung der Luft können deshalb wesentlich deutlicher wahrgenommen werden als von uns.

Weniger bekannt sind die elektrischen Prozesse, die vor Gewittern entstehen. In einer Gewitterwolke werden große Mengen elektrischer Ladung voneinander getrennt. Dadurch entstehen starke elektrische Spannungsunterschiede zwischen Wolken und Erdboden. Diese Prozesse beginnen lange bevor der erste Blitz sichtbar wird.

Ob Katzen solche elektrischen Veränderungen direkt wahrnehmen können, ist bislang nicht belegt. Einige Forscher vermuten jedoch, dass atmosphärische Elektrizität indirekt Auswirkungen auf Haare, Haut oder Sinnesorgane haben könnte. Eindeutige Nachweise für Katzen fehlen derzeit.

Die wissenschaftliche Datenlage erlaubt deshalb keine Aussage, dass Katzen Gewitter aufgrund elektrischer Felder „spüren“. Gut belegt ist jedoch, dass sich die Umwelt bereits lange vor einem Gewitter auf mehreren Ebenen verändert. Aufgrund ihrer Sinnesleistungen ist es plausibel, dass Katzen viele dieser Veränderungen früher oder intensiver wahrnehmen als Menschen.

Für die einzelne Katze spielt letztlich keine Rolle, welches Signal zuerst wahrgenommen wird. Entscheidend ist, dass sich ihre Umgebung verändert. Ob daraus Gelassenheit, Neugier oder Angst entsteht, hängt von anderen Faktoren ab.

Gewitter werden häufig mit Donner in Verbindung gebracht. Für manche Katzen könnten jedoch auch die Lichtblitze selbst relevant sein. Anders als ein dauerhaftes Lichtsignal treten Blitze plötzlich, intensiv und ohne Vorwarnung auf. Solche abrupten Veränderungen gehören zu den Umweltreizen, auf die Tiere besonders aufmerksam reagieren. Wie stark Lichtblitze das Verhalten einer Katze beeinflussen, ist bislang kaum untersucht. Wahrscheinlich spielen dabei sowohl die individuelle Empfindlichkeit als auch frühere Erfahrungen eine Rolle.

Warum reagiert die eine Katze neugierig und die andere mit Angst?

Wer mehrere Katzen erlebt hat, kennt oft erstaunliche Unterschiede. Während eine Katze bei einem Gewitter weiterhin auf der Fensterbank sitzt und die Vorgänge draußen aufmerksam beobachtet, verschwindet eine andere unter dem Bett und kommt erst wieder hervor, wenn das Unwetter längst vorbei ist.

Diese Unterschiede lassen sich nicht allein durch die Stärke eines Gewitters erklären. Sie entstehen vor allem durch die Art und Weise, wie das Gehirn einer Katze Umweltreize bewertet.

Aus Sicht der Verhaltensbiologie ist Angst keine Fehlfunktion. Angst gehört zu den wichtigsten Schutzmechanismen von Tieren. Sie ermöglicht eine schnelle Reaktion auf potenzielle Gefahren und erhöht damit die Überlebenschancen.

Das Problem besteht darin, dass das Gehirn nicht erkennen kann, ob ein unbekanntes Geräusch tatsächlich gefährlich ist. Es muss innerhalb kürzester Zeit entscheiden, ob eine Situation Aufmerksamkeit erfordert oder ignoriert werden kann.

Bei einem Gewitter treffen mehrere Faktoren zusammen, die aus Sicht einer Katze ungewöhnlich sind. Die Umgebung klingt anders, die Lichtverhältnisse verändern sich, die Luft fühlt sich anders an und plötzlich treten laute Geräusche auf, deren Ursache nicht sichtbar ist.

Wie eine Katze auf diese Situation reagiert, wird unter anderem durch ihr Temperament beeinflusst. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Katzen – ähnlich wie Menschen – stabile Persönlichkeitsmerkmale besitzen. Manche Tiere reagieren grundsätzlich neugieriger auf neue Situationen, andere vorsichtiger oder zurückhaltender. Diese Unterschiede zeigen sich nicht nur im Alltag. Sie beeinflussen auch, wie Katzen mit Unsicherheit, neuen Situationen und potenziellen Gefahren umgehen.

Auch frühe Erfahrungen spielen eine wichtige Rolle. Die ersten Lebenswochen und -monate gelten bei Katzen als besonders sensible Phase für die Entwicklung späterer Verhaltensmuster. Tiere, die in dieser Zeit verschiedene Geräusche, Umweltreize und Veränderungen kennenlernen, reagieren im Erwachsenenalter häufig gelassener auf neue Situationen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Katze automatisch angstfrei wird, wenn sie als Jungtier Gewitter erlebt hat. Verhalten entsteht immer aus dem Zusammenspiel genetischer Veranlagung und individueller Erfahrungen.

Auch soziale Erfahrungen können eine Rolle spielen. Verhaltensstudien der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Katzen vertraute Menschen nicht ausschließlich mit Futter oder Versorgung verbinden. In belastenden Situationen suchen manche Katzen gezielt die Nähe ihrer Bezugsperson. Andere bevorzugen dagegen Rückzug und Distanz. Beide Strategien gehören zum normalen Verhaltensspektrum der Hauskatze.

Ein weiterer Faktor ist das sogenannte Lernen durch Verknüpfung. Katzen verbinden Ereignisse miteinander, insbesondere wenn diese mit starken Emotionen verbunden sind. Erlebt eine Katze während eines Gewitters gleichzeitig eine andere belastende Situation, kann sich die Angst langfristig verstärken.

Ein Beispiel wäre eine Katze, die während eines Gewitters transportiert werden musste, eine schmerzhafte Erkrankung hatte oder versehentlich in einer Situation erschreckt wurde. Das Gehirn speichert solche Erfahrungen nicht immer getrennt voneinander.

Auch das Alter kann eine Rolle spielen. Mit zunehmendem Alter reagieren manche Katzen empfindlicher auf Veränderungen ihrer Umgebung. Altersbedingte Veränderungen des Nervensystems, nachlassende Sinnesleistungen oder chronische Erkrankungen können dazu führen, dass ungewohnte Situationen stärker belasten als früher.

Deshalb gibt es keine allgemeingültige Reaktion auf Gewitter. Jede Katze bewertet die Situation auf Grundlage ihrer Persönlichkeit, ihrer Erfahrungen und ihres aktuellen körperlichen Zustands.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, warum Katzen Angst vor Gewittern haben. Die spannendere Frage ist, warum manche Katzen trotz all dieser ungewohnten Reize vollkommen gelassen bleiben.

Woran erkennen Halter, dass ihre Katze Angst hat?

Nicht jede Katze zeigt Angst auf dieselbe Weise. Während manche Tiere bei einem Gewitter offensichtlich in Panik geraten, fallen die Reaktionen anderer deutlich subtiler aus. Gerade ruhige oder zurückhaltende Katzen werden deshalb häufig als gelassen eingeschätzt, obwohl sie tatsächlich unter erheblichem Stress stehen.

Aus biologischer Sicht beginnt Angst mit der Aktivierung des sogenannten sympathischen Nervensystems. Dieses System bereitet den Körper innerhalb von Sekunden auf eine mögliche Gefahr vor. Herzschlag und Atemfrequenz steigen an, die Muskulatur wird angespannt und die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Umgebung.

Diese körperlichen Veränderungen sind für Halter meist nicht direkt sichtbar. Sichtbar werden dagegen die Verhaltensweisen, die daraus entstehen.

Viele Katzen suchen zunächst einen Ort auf, an dem sie sich sicher fühlen. Das kann unter einem Bett, hinter einem Sofa oder in einem Kleiderschrank sein. Aus Sicht der Katze handelt es sich dabei nicht um ein Problemverhalten, sondern um eine sinnvolle Strategie zur Stressbewältigung.

Andere Tiere beobachten die Situation aufmerksam aus einer gewissen Distanz. Sie sitzen regungslos da, verfolgen Geräusche und Bewegungen und wirken auf den ersten Blick ruhig. Eine starre Körperhaltung, weit geöffnete Augen oder ungewöhnlich große Pupillen können jedoch darauf hinweisen, dass die Katze angespannt ist.

Typische Anzeichen von Angst sind unter anderem geduckte Körperhaltungen, eng anliegende Ohren, ein eingezogener Schwanz, Zittern, vermehrtes Putzen oder ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten. Manche Katzen fressen nicht mehr, solange das Gewitter anhält. Andere reagieren mit ungewöhnlicher Anhänglichkeit und suchen permanent die Nähe ihrer Bezugsperson.

Besonders starke Angst kann zu Verhaltensweisen führen, die viele Halter zunächst nicht mit einem Gewitter in Verbindung bringen. Einige Katzen beginnen plötzlich zu vokalisieren, laufen rastlos durch die Wohnung oder reagieren ungewöhnlich gereizt. In seltenen Fällen kann es sogar zu Unsauberkeit kommen.

Verhaltensforscher unterscheiden grundsätzlich zwischen verschiedenen Bewältigungsstrategien. Manche Tiere reagieren eher mit Rückzug und Erstarren, andere mit Fluchtverhalten und wieder andere mit erhöhter sozialer Nähe. Keine dieser Reaktionen ist grundsätzlich richtiger oder falscher als die andere.

Für Halter ist deshalb weniger wichtig, wie eine Katze auf ein Gewitter reagiert. Wichtiger ist die Frage, ob sich das Verhalten der Katze im Vergleich zu ihrem normalen Alltag deutlich verändert.

Eine Katze, die sich normalerweise offen durch die Wohnung bewegt und plötzlich stundenlang unter dem Bett bleibt, zeigt wahrscheinlich Stress. Eine Katze, die sonst unabhängig ist und während eines Gewitters ständig Körperkontakt sucht, ebenfalls.

Die Intensität der Reaktion ist dabei oft aussagekräftiger als die konkrete Verhaltensweise. Kurzzeitige Unsicherheit gehört zum normalen Verhaltensrepertoire vieler Katzen. Hält die Anspannung jedoch über Stunden oder sogar Tage an, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass die Katze mit der Situation nur schwer zurechtkommt.

Die Beobachtung der eigenen Katze liefert deshalb meist die wertvollsten Informationen. Niemand kennt die normalen Verhaltensmuster eines Tieres besser als die Menschen, die täglich mit ihm zusammenleben.

Was sollten Halter tun, wenn ihre Katze Angst vor Gewittern hat?

Die erste Reaktion vieler Menschen ist nachvollziehbar: Sie möchten ihre Katze beruhigen, aus dem Versteck holen oder ihr zeigen, dass keine Gefahr besteht. Aus menschlicher Sicht erscheint das logisch. Aus Sicht der Katze kann es jedoch genau das Gegenteil bewirken.

Angst entsteht nicht deshalb, weil eine Katze eine falsche Entscheidung getroffen hat. Angst entsteht, weil ihr Gehirn eine Situation als potenziell bedrohlich einstuft. Wird die Katze in diesem Moment gezwungen, ihr Versteck zu verlassen oder sich mit der Situation auseinanderzusetzen, kann dies das Gefühl von Kontrollverlust verstärken.

Kontrolle spielt bei Katzen eine zentrale Rolle. Verhaltensstudien zeigen immer wieder, dass Katzen mit belastenden Situationen deutlich besser umgehen, wenn sie selbst entscheiden können, wie viel Abstand sie zu einem Auslöser halten möchten.

Ein Versteck unter dem Bett, eine geschützte Höhle oder ein Platz hinter dem Sofa sind deshalb keine Probleme, die gelöst werden müssen. Sie sind Teil der Bewältigungsstrategie der Katze.

Viele Halter fragen sich, ob sie ihre Katze während eines Gewitters trösten sollten. Die Sorge dahinter lautet oft, dass Aufmerksamkeit die Angst verstärken könnte. Diese Vorstellung stammt ursprünglich aus der Hundeverhaltensforschung und wird heute deutlich differenzierter betrachtet.

Gefühle lassen sich nicht belohnen. Eine Katze entwickelt nicht mehr Angst, weil ihr Halter ruhig mit ihr spricht oder ihr Nähe anbietet. Entscheidend ist vielmehr, ob die Katze diesen Kontakt selbst sucht.

Kommt eine Katze während eines Gewitters auf ihren Menschen zu, spricht nichts gegen ruhige Zuwendung. Zieht sie sich dagegen zurück, sollte dieser Rückzug respektiert werden.

Hilfreich ist meist nicht aktives Eingreifen, sondern eine möglichst vorhersehbare Umgebung. Katzen orientieren sich stark an Routinen. Werden Fütterungszeiten, Schlafplätze und alltägliche Abläufe auch während eines Gewitters beibehalten, entsteht zumindest in Teilen des Tages weiterhin Verlässlichkeit.

Fenster und Balkontüren sollten geschlossen bleiben, nicht nur wegen möglicher Fluchtreaktionen, sondern auch, weil Donner, Windgeräusche und plötzliche Luftbewegungen dadurch etwas gedämpft werden können.

Manche Katzen suchen während eines Gewitters erhöhte Plätze auf, andere bevorzugen geschlossene Räume. Beide Strategien sind normal. Entscheidend ist, dass die Katze zwischen verschiedenen Rückzugsmöglichkeiten wählen kann.

Von Beruhigungsmaßnahmen, die zusätzlichen Stress erzeugen, ist dagegen abzuraten. Dazu gehören beispielsweise das Herausziehen aus Verstecken, das Festhalten gegen den Willen der Katze oder das wiederholte Kontrollieren, ob „alles in Ordnung ist“.

Die meisten Katzen bewältigen Gewitter ohne langfristige Folgen. Sie ziehen sich zurück, warten das Ereignis ab und kehren anschließend in ihren normalen Alltag zurück.

Zeigt eine Katze jedoch bei jedem Gewitter ausgeprägte Panik, verweigert regelmäßig Futter, verletzt sich selbst oder bleibt noch lange nach dem Unwetter angespannt, kann eine tierärztliche oder verhaltenstherapeutische Beratung sinnvoll sein.

Nicht jedes Gewitterproblem lässt sich vollständig lösen. Häufig besteht das Ziel vielmehr darin, die Belastung zu reduzieren und der Katze Möglichkeiten zu geben, mit der Situation besser umzugehen.

Wann wird aus normaler Vorsicht ein Problem?

Nicht jede Katze, die sich bei einem Gewitter versteckt, leidet unter einer Angststörung. Vorsicht gegenüber ungewohnten Geräuschen, plötzlichen Lichtblitzen oder Veränderungen der Umgebung gehört zum normalen Verhaltensrepertoire einer Katze.

Aus Sicht der Evolution wäre das Gegenteil sogar überraschend. Ein Tier, das auf potenziell bedeutsame Veränderungen seiner Umgebung überhaupt nicht reagiert, hätte in der Natur eher Nachteile als Vorteile.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob eine Katze auf ein Gewitter reagiert. Die entscheidende Frage lautet, wie stark sie reagiert und wie lange die Reaktion anhält.

Viele Katzen ziehen sich während eines Gewitters zurück und verhalten sich wenige Minuten oder Stunden später wieder vollkommen normal. Sie fressen, spielen, schlafen und bewegen sich durch die Wohnung wie zuvor. Solche Reaktionen gelten grundsätzlich als unproblematisch.

Anders verhält es sich, wenn die Belastung deutlich über das eigentliche Ereignis hinausgeht. Manche Katzen beginnen bereits bei den ersten Anzeichen eines Wetterumschwungs mit starkem Stressverhalten. Andere benötigen lange Zeit, um sich nach einem Gewitter wieder zu beruhigen.

Chronischer Stress gehört zu den am besten untersuchten Belastungsfaktoren bei Katzen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass anhaltender Stress zahlreiche Körpersysteme beeinflussen kann. Dazu gehören unter anderem das Immunsystem, der Stoffwechsel, die Verdauung und das Verhalten.

Deshalb lohnt es sich, nicht nur das Verhalten während eines Gewitters zu beobachten, sondern auch die Zeit davor und danach. Frisst die Katze normal? Nutzt sie ihr Katzenklo wie gewohnt? Spielt sie noch? Zieht sie sich dauerhaft zurück? Solche Veränderungen liefern oft wertvollere Hinweise als die eigentliche Reaktion auf den Donner.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Katzen, die versuchen zu fliehen oder sich während ihrer Panik verletzen könnten. In seltenen Fällen springen Tiere gegen Fenster, verkeilen sich in engen Verstecken oder geraten bei Fluchtversuchen in Gefahr.

Auch ältere Katzen sollten genauer beobachtet werden. Mit zunehmendem Alter nehmen chronische Erkrankungen zu, und manche Katzen entwickeln Veränderungen des Nervensystems oder ihrer Sinnesorgane. Geräusche, die früher problemlos verarbeitet wurden, können dadurch belastender wirken.

Wenn sich das Verhalten einer Katze plötzlich verändert, obwohl sie über Jahre hinweg problemlos mit Gewittern umgegangen ist, sollte deshalb nicht ausschließlich an ein Verhaltensproblem gedacht werden. Auch körperliche Ursachen können eine Rolle spielen.

Verhaltensmediziner weisen seit Jahren darauf hin, dass Schmerzen häufig unterschätzt werden, wenn Verhaltensänderungen bei Katzen beurteilt werden. Eine Katze mit Arthrose, Zahnerkrankungen oder anderen chronischen Beschwerden kann auf zusätzliche Belastungen empfindlicher reagieren als ein gesundes Tier.

Gewitterangst ist deshalb nicht nur eine Frage des Verhaltens. Sie kann auch Hinweise darauf liefern, wie gut eine Katze insgesamt mit Belastungen umgehen kann.

Die meisten Katzen benötigen bei Gewittern keine Behandlung. Sie benötigen Verständnis für ihre individuelle Reaktion und die Möglichkeit, auf ihre eigene Weise mit der Situation umzugehen. Erst wenn Angst regelmäßig zu erheblichem Stress oder Einschränkungen im Alltag führt, wird aus normaler Vorsicht ein Problem, das genauer betrachtet werden sollte.

Fazit: Gewitter sind für Katzen mehr als nur laute Geräusche

Wenn Menschen an Gewitter denken, denken sie meist an Donner. Für Katzen beginnt ein Gewitter möglicherweise deutlich früher.

Bereits vor den ersten Blitzen verändern sich Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Windverhältnisse und elektrische Spannungen in der Atmosphäre. Geräusche und Schwingungen breiten sich über große Entfernungen aus. Viele dieser Veränderungen liegen außerhalb dessen, was Menschen bewusst wahrnehmen.

Katzen verfügen über Sinnesleistungen, die in mehreren Bereichen deutlich empfindlicher sind als unsere. Aus wissenschaftlicher Sicht spricht daher vieles dafür, dass sie bestimmte Vorboten eines Gewitters früher wahrnehmen als Menschen. Welche Signale dabei die größte Rolle spielen, wird weiterhin erforscht. Dass Katzen auf zahlreiche Veränderungen reagieren können, die einem Gewitter vorausgehen, gilt jedoch als plausibel.

Die eigentliche Reaktion auf ein Gewitter entsteht jedoch nicht allein durch diese Wahrnehmung. Entscheidend ist, wie das Gehirn der einzelnen Katze die Situation bewertet.

Persönlichkeit, genetische Veranlagung, Erfahrungen aus dem frühen Leben, Lernerfahrungen und der aktuelle Gesundheitszustand beeinflussen gemeinsam, ob eine Katze neugierig bleibt, vorsichtig wird oder mit Angst reagiert.

Deshalb können zwei Katzen im selben Haushalt dasselbe Gewitter völlig unterschiedlich erleben. Die eine beobachtet aufmerksam das Geschehen vor dem Fenster, die andere sucht Schutz unter dem Bett.

Für Halter besteht die wichtigste Aufgabe meist nicht darin, Angst zu verhindern oder zu korrigieren. Wichtiger ist es, die Reaktion der eigenen Katze zu verstehen, Rückzugsmöglichkeiten zu respektieren und unnötigen zusätzlichen Stress zu vermeiden.

Die meisten Katzen kommen mit Gewittern gut zurecht, wenn sie die Möglichkeit haben, auf ihre bevorzugte Weise damit umzugehen. Manche suchen Nähe, manche ziehen sich zurück und manche scheinen das Geschehen kaum zu beachten.

Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis. Katzen reagieren nicht auf die objektive Realität eines Gewitters, sondern auf ihre Wahrnehmung dieser Realität. Dieselben Donnergeräusche, dieselben Lichtblitze und dieselben Veränderungen der Atmosphäre können für eine Katze bedeutungslos sein und für eine andere erheblichen Stress auslösen. Das Gewitter selbst ist dabei oft weniger entscheidend als die Art und Weise, wie das Gehirn der einzelnen Katze die Situation bewertet.

Quellen

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Disclaimer

Die Informationen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Wissensvermittlung über das Verhalten von Katzen und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Verhaltensberatung. Trotz sorgfältiger Recherche können wissenschaftliche Erkenntnisse fortlaufend ergänzt oder aktualisiert werden. Insbesondere die Frage, in welchem Umfang Katzen Luftdruckveränderungen, elektrische Felder oder andere Vorboten von Gewittern wahrnehmen, ist Gegenstand laufender Forschung und bislang nicht in allen Aspekten abschließend geklärt. Bei ausgeprägter Angst, anhaltenden Verhaltensänderungen oder gesundheitlichen Auffälligkeiten sollte immer tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Weiterführendes

Was das für Halter bedeutet

Nicht jede Katze erlebt ein Gewitter auf dieselbe Weise. Während manche Tiere Donner und Blitz kaum beachten, reagieren andere bereits auf die ersten Veränderungen der Atmosphäre mit Anspannung oder Unsicherheit. Für Halter ist es deshalb hilfreich, die individuellen Reaktionen der eigenen Katze zu kennen und nicht davon auszugehen, dass alle Katzen gleich mit solchen Situationen umgehen.

Zeigt eine Katze bei Gewittern Rückzugsverhalten, sollte dies in den meisten Fällen respektiert werden. Verstecke, erhöhte Liegeplätze oder geschützte Bereiche in der Wohnung können der Katze dabei helfen, sich sicherer zu fühlen. Viele Katzen benötigen keine aktive Beruhigung, sondern vor allem die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie sie mit der Situation umgehen möchten.

Verändert sich das Verhalten einer Katze plötzlich oder nimmt die Angst im Laufe der Zeit deutlich zu, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass zusätzliche Faktoren eine Rolle spielen. Dazu gehören beispielsweise Schmerzen, altersbedingte Veränderungen oder andere gesundheitliche Belastungen. In solchen Fällen kann eine tierärztliche Abklärung sinnvoll sein.

Gewitter lassen sich nicht verhindern. Die Belastung, die sie für einzelne Katzen darstellen, lässt sich jedoch oft reduzieren. Ein Verständnis für die Wahrnehmung und die individuellen Bedürfnisse der eigenen Katze ist dabei meist hilfreicher als jede allgemeine Regel.

Häufig gestellte Fragen

Können Katzen ein Gewitter wirklich vorher spüren?

Es gibt Hinweise darauf, dass Katzen bestimmte Umweltveränderungen wahrnehmen können, die einem Gewitter vorausgehen. Dazu gehören möglicherweise Veränderungen von Geräuschen, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit oder anderen atmosphärischen Bedingungen. Welche Signale dabei tatsächlich die größte Rolle spielen, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt.

Warum versteckt sich meine Katze bei Gewitter?

Verstecken ist eine natürliche Bewältigungsstrategie. Ein geschützter Rückzugsort vermittelt Sicherheit und Kontrolle über die Situation. Für die meisten Katzen ist das Verstecken kein Problemverhalten, sondern eine normale Reaktion auf Stress oder Unsicherheit.

Sollte ich meine Katze während eines Gewitters trösten?

Wenn Ihre Katze aktiv Nähe sucht, spricht nichts gegen ruhige Zuwendung. Zieht sie sich dagegen zurück, sollte dieser Wunsch respektiert werden. Wichtig ist, dass die Katze selbst entscheiden kann, ob sie Kontakt möchte oder lieber allein bleibt.

Können Gewitter bei Katzen langfristige Angst auslösen?

Ja. Besonders wenn eine Katze während eines Gewitters eine belastende Erfahrung macht, kann sich die Angst im Laufe der Zeit verstärken. Nicht jede Katze entwickelt jedoch eine dauerhafte Furcht vor Gewittern.

Warum reagiert eine Katze gelassen und eine andere panisch?

Die Reaktion wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören Persönlichkeit, genetische Veranlagung, frühe Erfahrungen, Lernerfahrungen und der aktuelle Gesundheitszustand der Katze.

Können Katzen durch Donner ihr Gehör verlieren?

Normale Gewitter stellen für das Gehör gesunder Katzen in der Regel kein Risiko dar. Sehr laute Geräusche in unmittelbarer Nähe können jedoch, wie bei anderen Tieren und Menschen auch, belastend oder erschreckend sein.

Was kann ich tun, um meiner Katze bei Gewitter zu helfen?

Sorgen Sie für Rückzugsmöglichkeiten, halten Sie Fenster und Balkontüren geschlossen und lassen Sie den gewohnten Tagesablauf möglichst unverändert. Die meisten Katzen profitieren davon, wenn sie selbst entscheiden können, wie sie mit der Situation umgehen.

Wann sollte ich wegen Gewitterangst einen Tierarzt aufsuchen?

Wenn Ihre Katze regelmäßig starke Panik zeigt, Futter verweigert, sich verletzt oder auch lange nach dem Gewitter noch deutlich gestresst wirkt, sollte tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Werden Katzen im Alter empfindlicher gegenüber Gewittern?

Bei manchen Katzen ja. Altersbedingte Veränderungen, chronische Erkrankungen oder Veränderungen des Nervensystems können dazu führen, dass ungewohnte Umweltreize belastender wahrgenommen werden als früher.

Können Wohnungskatzen und Freigängerkatzen unterschiedlich reagieren?

Das ist möglich. Freigängerkatzen erleben Wetterereignisse häufig direkter und sammeln andere Erfahrungen als Wohnungskatzen. Wie eine einzelne Katze reagiert, hängt jedoch stärker von ihrer Persönlichkeit und ihren bisherigen Erfahrungen ab als von ihrer Haltungsform allein.