Ist Katzenschnupfen für Menschen ansteckend – und für Schwangere gefährlich?

Juli 2026

Autor: Corina Käsler, Geschäftsführerin Katzengesellschaft

Schwangere Frau sitzt entspannt auf dem Sofa und streichelt eine Katze im Vordergrund.

„Die Katze muss nicht weg. Auch in der Schwangerschaft nicht.“ – Katzengesellschaft

Wenn eine Katze niest, ihre Augen tränen und Sekret aus der Nase läuft, sieht das einer menschlichen Erkältung ziemlich ähnlich. Schnell stellt sich deshalb die Frage, ob Katzenschnupfen auf Menschen übertragbar ist. In der Schwangerschaft kommt oft noch eine zweite Sorge hinzu: Könnte die Erkrankung nicht nur die Schwangere, sondern auch das ungeborene Kind gefährden?

Zunächst die klare Antwort: Nach heutigem Wissen verursachen die typischen Viren des Katzenschnupfens keine Erkrankungen beim Menschen. Das feline Herpesvirus und das feline Calicivirus sind eng an Katzen angepasst. Das gilt auch in der Schwangerschaft. Eine Katze mit Katzenschnupfen muss deshalb weder gemieden noch aus dem Haushalt genommen werden.

Ganz so einfach lässt sich das Thema trotzdem nicht abhaken. Katzenschnupfen ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für Infektionen, an denen unterschiedliche Viren und Bakterien beteiligt sein können. Bei einzelnen bakteriellen Erregern ist eine Übertragung auf Menschen grundsätzlich möglich. Sie kommt allerdings sehr selten vor und führt nicht dazu, dass Katzenschnupfen als besondere Gefahr für Schwangere gilt. Bei Chlamydia felis wird das Risiko einer Übertragung auf Menschen als sehr gering eingestuft; bekannt sind vor allem einzelne Fälle von Bindehautentzündungen.

Katzenschnupfen ist ein Krankheitskomplex – kein einzelner Erreger

Der Begriff „Katzenschnupfen“ ist etwas irreführend. Er bezeichnet weder einen gewöhnlichen Schnupfen noch eine bestimmte Infektion. In der Fachliteratur ist vom felinen respiratorischen Krankheitskomplex oder von infektiösen Erkrankungen der oberen Atemwege die Rede. Gemeint ist ein Krankheitsbild, das durch unterschiedliche Viren und Bakterien ausgelöst werden kann. Mehrere Erreger können dieselben Symptome hervorrufen, während ein einzelner Erreger bei verschiedenen Katzen ganz unterschiedlich in Erscheinung treten kann.

Besonders häufig werden fünf Erreger mit dem Krankheitskomplex in Verbindung gebracht: das feline Herpesvirus Typ 1, das feline Calicivirus, Chlamydia felis, Mycoplasma felis und Bordetella bronchiseptica. Herpes- und Caliciviren gelten als die wichtigsten viralen Ursachen. Bei den drei bakteriellen Erregern ist die Einordnung schwieriger: Sie können selbst Erkrankungen auslösen, gemeinsam mit Viren auftreten oder sich auf Schleimhäuten vermehren, die durch eine vorangegangene Infektion bereits geschädigt sind.

Ein nachgewiesener Erreger ist dabei nicht automatisch die alleinige Ursache der Beschwerden. Untersuchungen finden einzelne dieser Viren und Bakterien auch bei Katzen, die zum Zeitpunkt der Probenentnahme keine erkennbaren Symptome zeigen. Das gilt besonders für Mycoplasma felis, das auch zur normalen Besiedlung der oberen Atemwege gehören kann. Auch gesunde Katzen können Caliciviren ausscheiden, und nach einer Infektion mit dem felinen Herpesvirus bleibt das Virus meist lebenslang im Körper. Es kann sich in Nervenzellen zurückziehen und später, etwa in belastenden Situationen, erneut aktiv werden. Ein positiver PCR-Test muss deshalb immer zusammen mit den Symptomen, der Krankengeschichte und den übrigen Untersuchungsergebnissen beurteilt werden.

Hinzu kommt, dass Mischinfektionen keine Ausnahme sind. In einer 2024 veröffentlichten Studie wurden Proben von 63 Katzen untersucht, bei denen der Verdacht auf eine Erkrankung des respiratorischen Komplexes bestand. Bei 92,1 Prozent wurde mindestens ein Erreger gefunden, bei 57,1 Prozent waren es zwei oder mehr. Diese Zahlen lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle Katzen übertragen, weil Herkunft, Haltung, Impfstatus und Auswahl der untersuchten Tiere die Ergebnisse beeinflussen. Sie zeigen aber, weshalb sich ein Fall von Katzenschnupfen oft nicht auf einen einzigen Erreger reduzieren lässt. Auch eine australische Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass an Infektionen der oberen Atemwege häufig mehrere Erreger beteiligt sind.

Neuere Forschung betrachtet außerdem nicht mehr nur die bekannten Einzelkeime. Untersucht wird auch, wie Virusinfektionen die Schleimhäute und die dort lebende Bakteriengemeinschaft verändern. Eine geschädigte Schleimhaut kann ihre Schutzfunktion schlechter erfüllen, während sich gleichzeitig die Zusammensetzung des Mikrobioms verschiebt. Welche Bakterien dabei tatsächlich an der Erkrankung beteiligt sind und welche lediglich die veränderten Bedingungen nutzen, ist noch nicht vollständig geklärt. Der Begriff Krankheitskomplex beschreibt deshalb recht gut, was im Körper geschieht: Nicht immer verursacht ein einzelner Erreger allein die Beschwerden. Häufig entsteht die Erkrankung aus dem Zusammenspiel von Infektion, Immunreaktion, Schleimhautschädigung und weiteren Mikroorganismen.

Für die Frage nach einer Ansteckung des Menschen ist diese Unterscheidung wichtig. Nicht „der Katzenschnupfen“ ist auf Menschen übertragbar oder nicht übertragbar. Entscheidend ist, welcher Erreger beteiligt ist. Die beiden häufigsten Viren sind an Katzen angepasst. Bei einigen der seltener beteiligten Bakterien sind dagegen einzelne Infektionen des Menschen beschrieben worden.

Ist Katzenschnupfen heilbar?

Ob Katzenschnupfen heilbar ist, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Viele Katzen überstehen eine akute Erkrankung vollständig und zeigen anschließend keine Beschwerden mehr. Das bedeutet jedoch nicht immer, dass auch der beteiligte Erreger aus ihrem Körper verschwunden ist. Entscheidend ist wieder, welches Virus oder Bakterium die Erkrankung verursacht hat und ob Augen, Nase oder Maul dauerhaft geschädigt wurden.

Nach einer Infektion mit dem felinen Herpesvirus bleibt die Katze in der Regel lebenslang Trägerin. Das Virus zieht sich in Nervenzellen zurück und befindet sich dort in einem Ruhezustand, den man als Latenz bezeichnet. Die Katze kann über lange Zeit vollkommen gesund wirken. Stress, eine andere Erkrankung oder eine Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten können das Virus jedoch erneut aktivieren. Dann können wieder Augenentzündungen, Niesen oder Nasenausfluss auftreten. Behandeln lässt sich der jeweilige Krankheitsschub, beseitigen lässt sich das Virus bislang nicht.

Beim felinen Calicivirus ist der Verlauf weniger einheitlich. Viele Katzen scheiden das Virus nach überstandener Erkrankung nur noch für einige Wochen oder Monate aus und können es schließlich vollständig verlieren. Ein kleiner Teil bleibt jedoch über Jahre infektiös, in seltenen Fällen möglicherweise lebenslang. Solche Trägerkatzen können gesund erscheinen und das Virus trotzdem über Speichel sowie Nasen- und Augensekret weitergeben. Eine akute Calicivirusinfektion kann daher klinisch ausheilen, ohne dass sofort sicher ist, ob die Katze das Virus nicht mehr ausscheidet.

Bakterielle Infektionen wie eine Erkrankung durch Chlamydia felis lassen sich grundsätzlich mit geeigneten Antibiotika behandeln. Dabei können die sichtbaren Beschwerden schon zurückgehen, bevor der Erreger vollständig beseitigt ist. Untersuchungen haben gezeigt, dass zu kurze oder ungeeignete Behandlungen zwar die Augenentzündung bessern, die Katze aber weiterhin infiziert bleiben kann. Welche Behandlung erforderlich ist und wie lange sie fortgeführt werden muss, sollte deshalb nicht allein davon abhängig gemacht werden, ob das Auge bereits wieder normal aussieht.

Manche Katzen behalten Beschwerden, obwohl die akute Infektion längst vorüber ist. Starke Entzündungen können die Nasenschleimhaut und die feinen Strukturen der Nasenhöhle dauerhaft verändern. Die Folge kann eine chronische Rhinitis mit wiederkehrendem Niesen und Nasenausfluss sein. Dabei muss nicht ständig noch derselbe ursprüngliche Erreger aktiv sein. Zurückbleiben kann ein geschädigtes und dauerhaft entzündungsanfälliges Gewebe, auf dem sich weitere Infektionen leichter entwickeln.

„Nicht heilbar“ wäre daher ebenso falsch wie die Aussage, Katzenschnupfen verschwinde immer vollständig. Die meisten akuten Erkrankungen lassen sich behandeln, und viele Katzen erholen sich gut. Herpesviren bleiben jedoch lebenslang im Körper, Caliciviren können noch lange ausgeschieden werden, und nach schweren Verläufen können chronische Beschwerden zurückbleiben.

Von Herpes- und Caliciviren der Katze geht für Menschen keine bekannte Gefahr aus

Das feline Herpesvirus Typ 1 und das feline Calicivirus sind die beiden häufigsten viralen Erreger des Katzenschnupfens. Innerhalb einer Katzenpopulation können sich beide schnell verbreiten. Erkrankungen des Menschen durch diese Viren sind nach heutigem Forschungsstand jedoch nicht bekannt. Das gilt für Erwachsene, Kinder und Schwangere – auch bei engem Kontakt mit Speichel, Tränenflüssigkeit oder Nasensekret.

Das feline Herpesvirus ist an Katzenartige angepasst

Das feline Herpesvirus Typ 1 wird heute auch als felines Alphaherpesvirus 1 bezeichnet. Sein natürlicher Wirtsbereich beschränkt sich nach bisheriger Kenntnis auf Katzenartige. Neben Hauskatzen wurden Infektionen unter anderem bei Löwen, Tigern und Geparden nachgewiesen. Bei Menschen ist keine Erkrankung durch dieses Virus bekannt. Auch im Labor ließ es sich in älteren Versuchen nicht in menschlichen Zellkulturen vermehren. Eine 2026 veröffentlichte Studie untersuchte erneut verschiedene Zelllinien von Nichtkatzen, darunter Zellen eines nichtmenschlichen Primaten. In keiner dieser Zellkulturen vermehrte sich das Virus. Auch bei gezielt infizierten Mäusen fanden die Forscher keine Hinweise auf eine produktive Infektion.

Die Bezeichnung Herpesvirus führt leicht in die Irre, weil viele Menschen dabei an Lippenherpes, Genitalherpes oder Gürtelrose denken. Herpesviren bilden jedoch eine große Virusfamilie mit zahlreichen Arten, die sich über lange Zeit gemeinsam mit ihren jeweiligen Wirten entwickelt haben. Das feline Herpesvirus gehört zwar zur selben großen Virusfamilie wie menschliche Herpesviren, ist aber nicht mit den Erregern identisch, die beim Menschen Lippenherpes oder andere Herpeserkrankungen verursachen. Eine Katze mit felinem Herpesvirus kann einem Menschen daher keinen Lippenherpes geben – und umgekehrt bekommt die Katze durch den Lippenherpes ihres Menschen keinen Katzenschnupfen.

Wirtsspezifität bedeutet mehr als häufigen Kontakt mit einer bestimmten Tierart. Ein Virus muss an passende Strukturen einer Zelle binden, in sie eindringen und dort die Abläufe für seine Vermehrung nutzen können. Anschließend muss es sich im Gewebe ausbreiten. Beim felinen Herpesvirus scheitert dieser Prozess in Zellen anderer Tierarten offenbar schon früh. Die Forschung stützt deshalb die Einordnung als Virus mit einem engen, auf Katzenartige begrenzten Wirtsbereich.

Auch das feline Calicivirus ist kein menschliches Calicivirus

Auch beim felinen Calicivirus kann der Name zu falschen Schlüssen führen. Zur Familie der Caliciviren gehören neben tierischen Viren auch menschliche Erreger wie Noro- und Sapoviren. Diese verursachen beim Menschen vor allem Magen-Darm-Infektionen. Das feline Calicivirus ist jedoch ein anderes Virus mit einem anderen Wirtsbereich. Es verursacht bei Katzen unter anderem Entzündungen der oberen Atemwege, Fieber und schmerzhafte Geschwüre im Maul. Eine Erkrankung des Menschen durch das feline Calicivirus ist nicht beschrieben.

Für das Eindringen in eine Zelle benötigt das feline Calicivirus ein passendes Oberflächenprotein. Als wichtiger Rezeptor wurde das feline junctional adhesion molecule A, kurz fJAM-A, identifiziert. Zellen, die normalerweise nicht empfänglich waren, konnten nach dem künstlichen Einbau dieses Katzenrezeptors infiziert werden. Die Versuche zeigen, wie genau Virus und Wirtszelle zusammenpassen müssen, bevor eine Infektion überhaupt beginnen kann.

Einige Stämme konnten unter künstlichen Laborbedingungen auch einen entsprechenden Rezeptor eines nichtmenschlichen Primaten nutzen. Das ist wissenschaftlich interessant, aber kein Beleg für eine Ansteckung des Menschen: Die Bindung an einen Rezeptor ist nur einer von vielen notwendigen Schritten. Klinische Fälle oder epidemiologische Hinweise auf Erkrankungen des Menschen durch das feline Calicivirus gibt es nicht.

Für Menschen sind die beiden wichtigsten Viren des Katzenschnupfens damit nicht das Problem. Für andere Katzen können sie dagegen sehr ansteckend sein. Menschen können infektiöses Sekret an ihren Händen, auf ihrer Kleidung oder über gemeinsam benutzte Gegenstände von einer Katze zur nächsten tragen. Wer eine erkrankte Katze versorgt, muss sich also nicht vor einer eigenen Infektion fürchten – sollte aber verhindern, dass die Erreger weitere Katzen erreichen.

Chlamydia felis: Selten, aber auf Menschen übertragbar

Bei den viralen Erregern des Katzenschnupfens sind keine Erkrankungen des Menschen bekannt. Bei Chlamydia felis ist die Lage komplizierter. Das Bakterium ist hauptsächlich an Katzen angepasst, kann in seltenen Fällen aber auch Menschen infizieren. Die bislang dokumentierten Übertragungen führten vor allem zu langwierigen Bindehautentzündungen. Ein bedeutendes Gesundheitsrisiko für die Allgemeinbevölkerung lässt sich daraus nicht ableiten.

Chlamydien sind keine Viren

Obwohl Chlamydia felis häufig zusammen mit den Viren des Katzenschnupfenkomplexes genannt wird, handelt es sich um ein Bakterium. Es kann sich allerdings nur innerhalb von Wirtszellen vermehren. Diese besondere Lebensweise erklärt, weshalb eine Infektion ohne gezielte Behandlung lange bestehen bleiben kann und warum die sichtbare Besserung nicht zwangsläufig bedeutet, dass der Erreger bereits vollständig beseitigt ist.

Das wichtigste Zielgewebe ist die Bindehaut des Auges. Eine Infektion beginnt häufig an einem Auge und greift später auf das zweite über. Typisch sind eine starke Rötung und Schwellung der Bindehaut, Augenausfluss und ein schmerzhaftes Zusammenkneifen der Lider. Die Katze kann zusätzlich leichtes Fieber, verminderten Appetit oder Nasenausfluss zeigen, ausgeprägte Atemwegsbeschwerden stehen bei einer reinen Chlamydia-felis-Infektion jedoch meist nicht im Vordergrund. Ohne Behandlung kann die Bindehautentzündung über Wochen oder Monate bestehen bleiben.

„Chlamydien“ bezeichnet verschiedene Erreger

Der Name sorgt leicht für Missverständnisse. Chlamydia ist eine Gattung, zu der mehrere Bakterienarten mit unterschiedlichen Wirten und Krankheitsbildern gehören. Chlamydia felis ist nicht mit Chlamydia trachomatis gleichzusetzen, dem Erreger, der beim Menschen sexuell übertragbare Infektionen verursacht. Ebenso wenig handelt es sich um Chlamydia abortus, das vor allem bei Schafen und Ziegen vorkommt und bei Schwangeren schwere Erkrankungen und Fehlgeburten auslösen kann. Dass diese Bakterien derselben Gattung angehören, bedeutet nicht, dass sie dieselben Übertragungswege oder Folgen haben.

Die Übertragung erfordert engen Kontakt

Chlamydia felis überlebt außerhalb des Wirts nur schlecht. Für die Ansteckung von Katze zu Katze ist deshalb normalerweise enger Kontakt erforderlich. Als wichtigste Infektionsquelle gilt Augensekret, das direkt oder über verunreinigte Hände und Gegenstände an die Bindehaut einer anderen Katze gelangt. Infektionen treten deshalb häufiger dort auf, wo viele Katzen eng zusammenleben, etwa in Tierheimen, Zuchten oder größeren Katzenhaushalten. Bei gesunden Katzen ohne Augenbeschwerden wird der Erreger wesentlich seltener gefunden als bei Katzen mit Bindehautentzündung.

Auch für eine Übertragung auf Menschen dürfte der direkte Kontakt mit infektiösem Augensekret die entscheidende Rolle spielen. Denkbar ist beispielsweise, dass Sekret beim Säubern des Katzenauges an die Hände gelangt und anschließend unbemerkt in das eigene Auge gerieben wird. Eine Übertragung über die Raumluft, weil eine Katze niest, entspricht dagegen nicht dem typischen Infektionsweg dieses Erregers.

Was die menschlichen Fälle zeigen

Über viele Jahre stützte sich die Einschätzung des zoonotischen Risikos nur auf wenige Fallberichte. 2001 wurde eine chronische Bindehautentzündung bei einem HIV-infizierten Patienten beschrieben. 2017 folgte der Fall einer immungesunden Frau, deren Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihrem erkrankten Kätzchen stammte. Eine spezifische PCR und anschließende molekulare Untersuchungen identifizierten den Erreger als Chlamydia felis.

Eine 2024 veröffentlichte Fallserie ergänzte drei weitere Fälle bei immungesunden Menschen. Alle litten an einer chronischen follikulären Bindehautentzündung und hatten engen Kontakt zu Hauskatzen. Die Diagnose erfolgte nicht allein anhand der Symptome, sondern durch PCR und Sequenzanalyse. Die Arbeit ist wichtig, weil sie die Übertragbarkeit klarer belegt als ältere Vermutungen. Sie zeigt aber auch die Größenordnung des Risikos: Trotz des weltweit engen Zusammenlebens von Menschen und Katzen sind bestätigte Fälle weiterhin ausgesprochen selten.

Die europäischen ABCD-Leitlinien kommen deshalb zu einer zurückhaltenden Einordnung: Es gibt keinen epidemiologischen Hinweis auf ein bedeutendes Zoonoserisiko, eine Übertragung mit anschließender chronischer Bindehautentzündung ist aber nachgewiesen. „Für Menschen nicht ansteckend“ wäre bei Chlamydia felis also zu pauschal. Ebenso falsch wäre es, aus wenigen Fallberichten eine allgemeine Gefahr durch Katzen abzuleiten.

Für die Bewertung in der Schwangerschaft ist ein Punkt entscheidend: Die bestätigten menschlichen Infektionen betrafen bislang vor allem die Augen. Die wissenschaftliche Literatur liefert keine Hinweise darauf, dass Chlamydia felis beim Menschen die für Chlamydia abortus bekannten Schwangerschaftskomplikationen verursacht.

Bordetella bronchiseptica und Mycoplasma felis: Ein Risiko vor allem bei schwerer Immunschwäche

Neben Chlamydia felis gehören auch Bordetella bronchiseptica und Mycoplasma felis zu den bakteriellen Erregern, die am Katzenschnupfenkomplex beteiligt sein können. Beide wurden in seltenen Fällen auch beim Menschen nachgewiesen. Die wissenschaftliche Datenlage unterscheidet sich jedoch deutlich: Für Bordetella bronchiseptica sind inzwischen zahlreiche menschliche Infektionen beschrieben, während es bei Mycoplasma felis im Wesentlichen um einen einzelnen gut dokumentierten Fall geht. Betroffen waren fast immer Menschen mit einer erheblich geschwächten Immunabwehr.

Bordetella bronchiseptica besiedelt die Atemwege verschiedener Tierarten

Bordetella bronchiseptica ist nicht ausschließlich ein Katzenerreger. Das Bakterium kann die Atemwege verschiedener Säugetiere besiedeln und kommt unter anderem bei Hunden, Katzen, Kaninchen und Schweinen vor. Bei Hunden ist es vor allem als einer der Erreger des Zwingerhustenkomplexes bekannt. Katzen scheiden das Bakterium über Nasen- und Maulsekret aus und können sich auch bei erkrankten Hunden anstecken. Besonders dort, wo viele Tiere auf engem Raum zusammenleben, kann sich der Erreger schnell verbreiten.

Bei Katzen reicht das Krankheitsbild von leichtem Husten, Niesen, Fieber und Nasenausfluss bis zu einer schweren Bronchopneumonie. Ein hohes Risiko für schwere Verläufe haben vor allem sehr junge Katzen. Dass der Erreger mehr sein kann als eine unbedeutende Begleitinfektion, zeigte auch ein 2023 beschriebener Tierheimausbruch mit einer multiresistenten Variante, bei dem mehrere Katzen akute Atemnot entwickelten.

Infektionen beim Menschen sind selten, können aber schwer verlaufen

Beim Menschen verursacht Bordetella bronchiseptica vor allem Erkrankungen der Atemwege. Beschrieben sind leichte Infektionen ebenso wie lang anhaltende Bronchitiden, Lungenentzündungen und in einzelnen Fällen eine Ausbreitung des Bakteriums über das Blut. Ein gemeinsames Merkmal vieler Patienten ist eine schwere Vorerkrankung oder eine unterdrückte Immunabwehr, etwa bei HIV, einer Krebserkrankung, nach einer Organtransplantation oder unter immunsuppressiver Behandlung. Auch chronisch geschädigte Atemwege, beispielsweise bei Mukoviszidose oder Bronchiektasen, können eine Infektion begünstigen.

Der Kontakt zu einem Tier lässt sich nicht in jedem Fall als Infektionsquelle beweisen. In einer Untersuchung von acht bestätigten menschlichen Infektionen oder Besiedlungen war bei drei Patienten Kontakt zu Katzen dokumentiert; andere hatten Kontakt zu Hunden oder weiteren Tierarten, bei manchen blieb die Herkunft ungeklärt. Die Gesamtheit der Fallberichte und die Ausscheidung über tierische Atemwegssekrete zeigen dennoch, dass eine zoonotische Übertragung möglich ist.

Für einen gesunden Menschen ist das Risiko weiterhin sehr gering. Anders sieht es bei einer schweren Immunschwäche oder einer ausgeprägten chronischen Lungenerkrankung aus. Wurde Bordetella bronchiseptica bei einer Katze nachgewiesen, sollte die behandelnde Arztpraxis darüber informiert werden, wenn eine besonders gefährdete Person im Haushalt lebt. Das bedeutet nicht, dass die Katze abgegeben oder vollständig isoliert werden muss. Direkter Kontakt mit Nasen- und Maulsekret sollte jedoch vermieden werden, bis die Erkrankung tierärztlich behandelt und abgeklungen ist.

Mycoplasma felis ist nicht mit menschlichen Mykoplasmen gleichzusetzen

Mykoplasmen sind sehr kleine Bakterien, denen eine Zellwand fehlt. Zur Gattung gehören zahlreiche Arten, die an unterschiedliche Wirte angepasst sind. Mycoplasma felis darf deshalb nicht mit Mycoplasma pneumoniae verwechselt werden, einem häufigen Erreger menschlicher Atemwegsinfektionen. Dass beide Bakterien zur selben Gattung gehören, sagt noch nichts darüber aus, ob sie dieselben Wirte infizieren können.

Bei Katzen wird Mycoplasma felis sowohl bei gesunden Tieren als auch bei Katzen mit Augen- und Atemwegsbeschwerden nachgewiesen. Das hat seine Rolle lange schwer einordnen lassen. Inzwischen gilt der Erreger als mögliche eigenständige Ursache von Bindehautentzündungen und Erkrankungen der oberen Atemwege. Er kann außerdem an Infektionen der tieferen Atemwege beteiligt sein. Ein positiver Abstrich muss trotzdem zusammen mit den Beschwerden und weiteren Untersuchungsergebnissen beurteilt werden, weil der Nachweis allein noch nicht beweist, dass Mycoplasma felis die Erkrankung verursacht.

Ein einzelner Humanfall prägt die Einschätzung des Risikos

Die Annahme, dass Mycoplasma felis Menschen infizieren kann, beruht vor allem auf einem 1997 veröffentlichten Fall. Eine Frau mit einem angeborenen Antikörpermangel erkrankte an einer schweren septischen Entzündung mehrerer Gelenke. Mycoplasma felis wurde aus zwei betroffenen Gelenken isoliert. Die Patientin hatte Kontakt zu Katzen, eine direkte Übertragung von einer bestimmten Katze ließ sich jedoch nicht nachweisen. Trotz Operationen und einer monatelangen Behandlung wurde ihr Hüftgelenk dauerhaft geschädigt.

Dieser Fall zeigt, dass eine Infektion des Menschen biologisch möglich ist. Er erlaubt aber keine Aussage über ein allgemeines Risiko durch Katzen mit Katzenschnupfen. Ein einzelner Fall bei einer schwer immungeschwächten Patientin ist etwas anderes als ein gehäuftes Auftreten in der Bevölkerung. Weitere vergleichbar gut belegte menschliche Infektionen sind in der medizinischen Literatur kaum zu finden. Für gesunde Menschen gibt es daher keinen Grund, Mycoplasma felis als relevante Alltagsgefahr einzustufen.

Bei beiden Bakterien liegt der Schwerpunkt damit nicht auf Schwangeren, sondern auf Menschen mit einer schweren Immunschwäche oder erheblich vorgeschädigten Atemwegen. Eine Schwangerschaft allein ist keine Immunschwäche in diesem Sinn.

Was bedeutet Katzenschnupfen für Schwangere?

Die bisherige Forschung liefert keinen Hinweis darauf, dass gewöhnlicher Katzenschnupfen eine besondere Gefahr für Schwangere oder das ungeborene Kind darstellt. Erkrankungen des Menschen durch das feline Herpesvirus oder das feline Calicivirus sind nicht bekannt. Bei den seltener beteiligten Bakterien sind zwar einzelne menschliche Infektionen dokumentiert, ein Zusammenhang mit Fehlgeburten, Fehlbildungen oder Infektionen des ungeborenen Kindes ist jedoch nicht beschrieben.

Ganz lückenlos ist die Datenlage allerdings nicht. Es gibt keine größeren Studien, in denen Schwangere nach dem Kontakt mit Katzen mit nachgewiesenem Chlamydia felis, Bordetella bronchiseptica oder Mycoplasma felis systematisch beobachtet wurden. Das Risiko lässt sich deshalb nicht mit einer konkreten Zahl angeben. Die Einschätzung beruht auf den bekannten Eigenschaften der Erreger, veterinärmedizinischen Untersuchungen und den bisher veröffentlichten menschlichen Fällen. Diese ergeben bislang kein Signal für ein besonderes Schwangerschaftsrisiko.

Bei Chlamydia felis wurden beim Menschen vor allem hartnäckige Bindehautentzündungen beschrieben. Zu den bestätigten Fällen gehören ein HIV-infizierter Patient sowie mehrere Menschen ohne bekannte Immunschwäche. Die 2024 veröffentlichte Fallserie betraf drei immungesunde Erwachsene mit chronischer follikulärer Bindehautentzündung. Erkrankungen der Gebärmutter oder Plazenta und Komplikationen einer Schwangerschaft wurden in diesen Berichten nicht beschrieben.

Der Name Chlamydien führt an dieser Stelle leicht zu unnötiger Angst. Chlamydia felis ist weder mit dem sexuell übertragbaren Chlamydia trachomatis noch mit Chlamydia abortus gleichzusetzen. Letzteres kommt vor allem bei Schafen und Ziegen vor und kann nach einer Übertragung auf Schwangere tatsächlich zu schweren Infektionen, Fehlgeburten oder Totgeburten führen. Diese bekannten Schwangerschaftsrisiken dürfen nicht auf Chlamydia felis übertragen werden, nur weil beide Bakterien zur selben Gattung gehören.

Auch die schweren menschlichen Erkrankungen durch Bordetella bronchiseptica und der einzelne gut belegte Fall einer Infektion mit Mycoplasma felis liefern keinen Hinweis auf eine besondere Empfindlichkeit in der Schwangerschaft. Betroffen waren vor allem Menschen mit ausgeprägten Immundefekten, schweren Grunderkrankungen oder chronisch geschädigten Atemwegen. Solche Fallberichte lassen sich nicht einfach auf eine gesunde Frau mit einer unkomplizierten Schwangerschaft übertragen.

Eine Schwangere muss den Kontakt zu einer Katze mit Katzenschnupfen deshalb normalerweise nicht abbrechen. Sie kann die Katze weiterhin streicheln, füttern und mit ihr im selben Haushalt leben. Auch eine vorübergehende Unterbringung an einem anderen Ort ist in der Regel nicht nötig. Sinnvoll ist lediglich, direkten Kontakt mit Augen- und Nasensekret zu vermeiden und nach der Versorgung der Katze gründlich die Hände zu waschen.

Etwas mehr Vorsicht ist angebracht, wenn bei der Katze tatsächlich einer der selten zoonotischen bakteriellen Erreger nachgewiesen wurde und die Schwangere zusätzlich unter einer schweren Immunschwäche oder einer erheblichen chronischen Lungenerkrankung leidet. Entwickelt sie nach engem Kontakt mit einer erkrankten Katze eine ungewöhnlich hartnäckige Bindehautentzündung, Fieber, Husten oder Atembeschwerden, sollte sie ärztlichen Rat suchen und den Katzenkontakt ausdrücklich erwähnen. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, kein Hinweis darauf, dass solche Infektionen in der Schwangerschaft häufig wären.

Katzenschnupfen ist keine Toxoplasmose

Sobald es um Katzen und Schwangerschaft geht, fällt fast zwangsläufig das Wort Toxoplasmose. Mit Katzenschnupfen hat diese Infektion jedoch nichts zu tun. Toxoplasmose wird nicht durch ein Virus oder Bakterium des Katzenschnupfenkomplexes verursacht, sondern durch den einzelligen Parasiten Toxoplasma gondii. Auch die Übertragungswege sind völlig andere: Niesen, Husten, tränende Augen und Nasensekret spielen bei Toxoplasmose keine Rolle.

Katzenartige sind die einzigen Endwirte von Toxoplasma gondii. Nur in ihrem Darm kann der Parasit seinen geschlechtlichen Entwicklungszyklus vollenden und sogenannte Oozysten bilden, die anschließend mit dem Kot ausgeschieden werden. Das geschieht vor allem nach der ersten Infektion und gewöhnlich nur während eines begrenzten Zeitraums. Frisch ausgeschiedene Oozysten sind zudem nicht sofort ansteckend: Sie müssen sich zunächst in der Umwelt weiterentwickeln. Je nach Bedingungen dauert das etwa ein bis fünf Tage.

Ein Risiko entsteht, wenn ein Mensch infektiöse Parasitenstadien über den Mund aufnimmt. Das kann beim Kontakt mit verunreinigter Erde, Katzenkot oder ungewaschenem Gemüse geschehen. Eine wichtige Infektionsquelle ist außerdem rohes oder nicht ausreichend erhitztes Fleisch, in dem sich Gewebezysten befinden können. Die Katze ist damit nur eine von mehreren möglichen Quellen – und der normale Kontakt zu ihr, etwa beim Streicheln oder wenn sie neben einem auf dem Sofa liegt, ist nicht der typische Übertragungsweg.

Gefährlich für das ungeborene Kind kann eine erstmalige Infektion der Mutter während der Schwangerschaft werden. Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft Kontakt mit Toxoplasma gondii hatten und Antikörper besitzen, sind in der Regel durch ihre bestehende Immunität geschützt. Ob Antikörper vorhanden sind, lässt sich durch eine Blutuntersuchung feststellen. Diese Frage betrifft aber ausschließlich Toxoplasmose – sie sagt nichts darüber aus, ob eine Katze mit Katzenschnupfen für die Schwangere gefährlich ist.

Auch bei einer Katze mit Katzenschnupfen gelten für Toxoplasmose daher dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie bei jeder anderen Katze. Schwangere sollten die Katzentoilette möglichst nicht selbst reinigen. Übernimmt niemand anderes diese Aufgabe, sind Handschuhe und gründliches Händewaschen sinnvoll. Der Kot sollte täglich entfernt werden, bevor möglicherweise ausgeschiedene Oozysten ansteckend werden. Katzen sollten kein rohes Fleisch bekommen, und bei der Gartenarbeit empfiehlt sich ebenfalls das Tragen von Handschuhen. Keine dieser Maßnahmen hat mit dem Niesen oder den entzündeten Augen einer an Katzenschnupfen erkrankten Katze zu tun.

Welche Hygiene ist bei Katzenschnupfen sinnvoll?

Eine Wohnung muss wegen einer Katze mit Katzenschnupfen nicht in eine Quarantänestation verwandelt werden. Für gesunde Menschen und Schwangere reichen im Normalfall einfache Hygienemaßnahmen. Sie dienen bei den typischen Herpes- und Caliciviren vor allem dazu, andere Katzen zu schützen. Bei den selten übertragbaren Bakterien verringern sie zusätzlich das ohnehin geringe Risiko einer Infektion des Menschen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Kontakt mit Augen- und Nasensekret. Wer verklebte Augen reinigt, Nasenausfluss entfernt oder Augentropfen und Salben verabreicht, sollte sich anschließend gründlich mit Wasser und Seife die Hände waschen. Bei Chlamydia felis ist Augensekret die wichtigste Infektionsquelle. Der Erreger überlebt außerhalb seines Wirts nur schlecht, sodass für eine Übertragung gewöhnlich enger Kontakt erforderlich ist. Problematisch wäre vor allem, wenn Sekret an die Finger gelangt und anschließend in das eigene Auge gerieben wird.

Einmalhandschuhe können bei der Versorgung der Augen sinnvoll sein, insbesondere für Schwangere, Menschen mit einer schweren Immunschwäche oder Personen mit empfindlicher Haut. Zwingend erforderlich sind sie bei einer gesunden Schwangeren nicht. Wichtiger ist, die Handschuhe nach einmaligem Gebrauch zu entsorgen und sich danach trotzdem die Hände zu waschen. Handschuhe ersetzen keine Handhygiene.

Solange die Katze starken Augen- oder Nasenausfluss hat, sollte sie das Gesicht ihres Menschen nicht ablecken. Auch Küssen im Bereich von Nase, Maul oder Augen ist in dieser Zeit keine gute Idee. Streicheln, gemeinsames Sitzen auf dem Sofa und normaler Kontakt sind dagegen weiterhin möglich. Wer die Katze versorgt hat, sollte nur vermeiden, sich anschließend mit ungewaschenen Händen ins Gesicht oder in die Augen zu fassen.

Näpfe, Decken, Transportboxen, Spielzeug und Pflegeutensilien sollten nicht von mehreren Katzen gemeinsam benutzt werden, solange eine akute Infektion besteht. Das feline Calicivirus wird vor allem über Maul- und Nasensekret ausgeschieden und kann nach der klinischen Genesung noch weiter verbreitet werden. Herpesviren sind außerhalb des Wirts weniger stabil und empfindlich gegenüber üblichen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln. Auch Bordetella bronchiseptica lässt sich mit gebräuchlichen Desinfektionsmitteln inaktivieren. Welche Reinigung notwendig ist, hängt deshalb auch davon ab, welcher Erreger vermutet oder nachgewiesen wurde.

Dabei gilt nicht: Je mehr Desinfektionsmittel, desto besser. Zuerst sollten sichtbare Verschmutzungen und Sekrete entfernt werden, denn organisches Material kann die Wirkung eines Desinfektionsmittels beeinträchtigen. Mittel sollten nur in der vorgesehenen Verdünnung und Einwirkzeit verwendet werden. Stark riechende Reiniger, ätherische Öle und beliebige Haushaltsmischungen gehören nicht in die Nähe einer erkrankten Katze. Welche Produkte geeignet sind, kann die Tierarztpraxis empfehlen.

Leben mehrere Katzen im Haushalt, sollte die erkrankte Katze nach Möglichkeit eigene Näpfe, eine eigene Katzentoilette und einen getrennten Ruhebereich bekommen. Eine vollständige Isolation ist nicht immer praktikabel und kann zusätzlichen Stress verursachen. Das ist besonders beim felinen Herpesvirus relevant, weil Stress eine erneute Virusaktivierung begünstigen kann. Die Trennung sollte deshalb so ruhig wie möglich erfolgen und nicht bedeuten, dass die Katze ohne Zuwendung in einem leeren Zimmer bleibt. Das feline Herpesvirus verbleibt nach der ersten Infektion lebenslang im Körper und kann später erneut aktiv werden.

Kleidung muss nach einem normalen Kontakt mit der Katze nicht sofort gewechselt werden. Anders sieht es aus, wenn deutliches Augen- oder Nasensekret darauf gelangt ist oder anschließend eine andere Katze versorgt wird. Dann sollte das verschmutzte Kleidungsstück gewechselt und gewaschen werden. Für Katzensitter, Tierheimmitarbeiter und Menschen mit mehreren Katzen ist diese indirekte Übertragung wesentlich wichtiger als die Gefahr, selbst zu erkranken.

Wurde bei der Katze ausdrücklich Chlamydia felis oder Bordetella bronchiseptica nachgewiesen und lebt eine stark immungeschwächte Person im Haushalt, sollte das weitere Vorgehen mit der Tierarztpraxis und der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden. Für eine gesunde Schwangere besteht dagegen kein Anlass, den Kontakt zur Katze vollständig abzubrechen. Konsequentes Händewaschen und ein vorsichtiger Umgang mit Sekreten sind normalerweise ausreichend. Bordetella bronchiseptica gilt als seltene mögliche Zoonose und betrifft beim Menschen vor allem besonders gefährdete Personen.

Wann ärztlicher oder tierärztlicher Rat nötig ist

Dass Katzenschnupfen für Menschen fast immer harmlos ist, bedeutet nicht, dass jedes Symptom nach einem engen Kontakt ignoriert werden sollte. Entwickelt ein Mensch eine Bindehautentzündung, die ungewöhnlich lange anhält oder trotz der üblichen Behandlung immer wiederkehrt, sollte der Kontakt zu einer erkrankten Katze bei der ärztlichen Untersuchung erwähnt werden. Das gilt besonders, wenn bei der Katze Chlamydia felis nachgewiesen wurde oder sie gleichzeitig unter einer ausgeprägten Bindehautentzündung leidet. Die bisher bestätigten menschlichen Infektionen äußerten sich vor allem als chronische follikuläre Konjunktivitis. Eine sichere Zuordnung war erst durch eine spezifische PCR und die anschließende genetische Analyse des Erregers möglich.

Auch bei anhaltendem Husten, Fieber oder Atembeschwerden gehört der Tierkontakt zur Krankengeschichte. Das ist vor allem bei Menschen mit einer schweren Immunschwäche, nach einer Organtransplantation, während einer immunsuppressiven Behandlung oder bei chronisch geschädigten Atemwegen wichtig. Menschliche Infektionen mit Bordetella bronchiseptica sind selten, können bei diesen besonders gefährdeten Personen aber von einer Bronchitis bis zu einer schweren Lungenentzündung reichen. Bei einer gesunden Schwangeren ohne weitere Risikofaktoren machen solche Beschwerden eine Infektion durch die Katze nicht wahrscheinlich. Sie sollten während einer Schwangerschaft trotzdem ärztlich abgeklärt werden – unabhängig davon, ob eine Katze im Haushalt lebt.

Eine vorsorgliche Untersuchung oder Behandlung aller Haushaltsmitglieder ist nach der Diagnose von Katzenschnupfen nicht erforderlich. Auch ein Test auf Chlamydia felis ist bei einem Menschen ohne Beschwerden nicht üblich. Entscheidend ist, auf ungewöhnliche oder anhaltende Symptome zu achten und der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt nicht nur zu sagen, dass eine Katze im Haushalt lebt, sondern welcher Erreger bei ihr tatsächlich festgestellt wurde. „Die Katze hat Katzenschnupfen“ ist medizinisch weniger aussagekräftig als die Information, dass beispielsweise eine bestätigte Infektion mit Chlamydia felis oder Bordetella bronchiseptica vorliegt.

Für die Katze kann Katzenschnupfen ernst werden

Für die Katze selbst ist die Erkrankung meist wesentlich bedeutsamer als für die Menschen in ihrem Umfeld. Vor allem junge Kätzchen können schwer erkranken. Das feline Herpesvirus kann die Schleimhäute von Nase und Augen schädigen und schmerzhafte Hornhautgeschwüre verursachen. Auch Fieber, deutliche Mattigkeit, Augenschmerzen und fehlender Appetit gehören zu den möglichen Krankheitszeichen.

Eine Katze sollte zeitnah tierärztlich untersucht werden, wenn sie nicht mehr frisst, sehr matt wirkt, stark fiebert oder die Beschwerden deutlich zunehmen. Katzen orientieren sich bei der Futteraufnahme stark am Geruch. Ist die Nase durch Sekret und geschwollene Schleimhäute verstopft, verlieren sie deshalb häufig den Appetit. Hinzu kommen mögliche Schmerzen im Maul, besonders bei einer Calicivirusinfektion. Längere Futterverweigerung ist bei Katzen nicht harmlos und darf nicht einfach als Begleiterscheinung eines Schnupfens abgewartet werden. Caliciviren können neben Atemwegsbeschwerden schmerzhafte Erosionen und Geschwüre in der Maulhöhle verursachen.

Ein geschlossenes oder stark zusammengekniffenes Auge, eine deutliche Trübung der Hornhaut und starke Lichtempfindlichkeit sprechen für Schmerzen und müssen rasch abgeklärt werden. Hinter einer vermeintlich gewöhnlichen Bindehautentzündung kann sich eine Verletzung oder ein Hornhautgeschwür verbergen. Das feline Herpesvirus ist eine der wichtigsten infektiösen Ursachen solcher Hornhautschäden bei Katzen. Eine Behandlung auf eigene Faust mit vorhandenen Augentropfen ist keine gute Idee, weil einige Präparate bei einem Hornhautgeschwür ungeeignet oder sogar schädlich sein können.

Atemnot ist immer ein Notfall. Atmet die Katze mit geöffnetem Maul, bewegt sich der Brustkorb auffällig stark, streckt sie beim Atmen den Hals oder wirken Zunge und Schleimhäute bläulich, braucht sie sofort tierärztliche Hilfe. Solche Beschwerden passen nicht mehr zu einem unkomplizierten Infekt der oberen Atemwege. Bordetella bronchiseptica und bakterielle Sekundärinfektionen können besonders bei jungen oder geschwächten Katzen zu einer Lungenentzündung führen.

Auch ein vermeintlich leichter Katzenschnupfen sollte untersucht werden, wenn die Beschwerden nicht abklingen oder immer wieder auftreten. Dahinter kann eine latente Herpesvirusinfektion stehen, es können chronische Veränderungen der Nase zurückgeblieben sein oder ein anderer Erreger beteiligt sein. Wiederkehrendes Niesen und Augenausfluss beweisen nicht automatisch, dass die Katze erneut einen frischen Katzenschnupfen „eingefangen“ hat. Sie zeigen aber, dass die Ursache genauer abgeklärt werden sollte.

Fazit: Katzenschnupfen ist für Menschen fast immer ungefährlich

Katzenschnupfen ist für Menschen in aller Regel nicht ansteckend. Erkrankungen des Menschen durch die beiden wichtigsten Viren, das feline Herpesvirus und das feline Calicivirus, sind nicht bekannt. Das gilt auch in der Schwangerschaft. Eine Katze mit Katzenschnupfen muss deshalb weder gemieden noch aus dem Haushalt genommen werden.

Ganz ohne Ausnahme ist die Antwort jedoch nicht. Chlamydia felis kann in seltenen Fällen auf Menschen übertragen werden und vor allem eine hartnäckige Bindehautentzündung verursachen. Auch Infektionen mit Bordetella bronchiseptica und Mycoplasma felis sind beim Menschen beschrieben, betreffen aber überwiegend Menschen mit schweren Vorerkrankungen oder einer stark geschwächten Immunabwehr. Für die Allgemeinbevölkerung bleibt das Risiko sehr gering.

Für Schwangere gibt es keine Hinweise darauf, dass gewöhnlicher Katzenschnupfen Fehlgeburten, Fehlbildungen oder Infektionen des ungeborenen Kindes verursacht. Die bekannten Risiken von Toxoplasmose oder Chlamydia abortus dürfen nicht auf die Erreger des Katzenschnupfens übertragen werden. Es handelt sich um andere Infektionen mit anderen Übertragungswegen.

Im Alltag reichen gründliches Händewaschen und ein vorsichtiger Umgang mit Augen- und Nasensekret normalerweise aus. Für andere Katzen ist Katzenschnupfen deutlich gefährlicher als für den Menschen. Wer eine erkrankte Katze versorgt, sollte deshalb vor allem darauf achten, die Erreger nicht über Hände, Kleidung oder gemeinsam benutzte Gegenstände weiterzutragen.

Disclaimer

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine tierärztliche Untersuchung der Katze noch eine persönliche medizinische Beratung. Bei einer Schwangerschaft, einer erheblichen Immunschwäche oder einer schweren chronischen Atemwegserkrankung sollten Fragen zum individuellen Risiko mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden. Zeigt die Katze Symptome eines Katzenschnupfens, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden, da sich die beteiligten Erreger und die notwendige Behandlung unterscheiden können.

Quellen

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