Die ideale Haltung von Wohnungskatzen
Update September 2026
Autor: Corina Käsler, Geschäftsführerin Katzengesellschaft
Veränderungen können für Katzen belastend sein, besonders wenn sie plötzlich auftreten oder Rückzug und Kontrolle erschweren. Dazu zählen etwa Umzüge, neue Menschen oder Tiere im Haushalt, soziale Konflikte oder Veränderungen wichtiger Ressourcen. Bei dafür empfänglichen Katzen können solche Belastungen auch körperliche Auswirkungen haben. Besonders gut untersucht ist dies bei der felinen idiopathischen Zystitis (FIC): Stressoren können Beschwerden verschlimmern oder Rückfälle begünstigen. Vertraute Rückzugsorte, gut verteilte Ressourcen und möglichst schrittweise Veränderungen können helfen, Belastungen zu reduzieren.
Verhaltenswissenschaftliche Grundlagen für ein erfülltes Leben in Innenräumen
Katzen gehören zu den beliebtesten Haustieren weltweit. Gerade in Städten leben viele von ihnen ausschließlich in Wohnungen. Damit stellt sich eine zentrale Frage: Kann eine Katze auch ohne Freigang ein gutes und ihren Bedürfnissen entsprechendes Leben führen? Nach heutigem Wissensstand ist das durchaus möglich. Wohnungshaltung schützt vor einigen Risiken des unkontrollierten Freigangs, stellt dafür aber besondere Anforderungen an die Gestaltung der Umwelt. Entscheidend ist nicht allein, ob eine Katze drinnen oder draußen lebt, sondern ob sie ihre natürlichen Verhaltensbedürfnisse ausleben, ihre Umgebung kontrollieren und zwischen Rückzug, Aktivität und sozialer Nähe wählen kann.
„Gute Wohnungshaltung bedeutet nicht, eine Katze einfach im Haus zu halten – sondern ihre Umwelt so zu gestalten, dass sie Wahlmöglichkeiten, Rückzug, Aktivität und Kontrolle erleben kann.“ – Katzengesellschaft
Raum und Territorium: Rückzug, Höhe und Kontrolle
Katzen strukturieren ihre Umgebung räumlich und nutzen unterschiedliche Bereiche zum Ruhen, Beobachten, Fressen, Spielen und für soziale Kontakte. Für ihr Wohlbefinden ist dabei nicht allein die verfügbare Fläche entscheidend. Ebenso wichtig ist, ob sie sich zurückziehen, andere Tiere oder Menschen auf Distanz halten und zwischen verschiedenen Aufenthaltsorten wählen können. Gerade in Wohnungen erweitert vertikaler Raum die tatsächlich nutzbare Umgebung: erhöhte Liegeplätze, Regale oder Kletterelemente ermöglichen es Katzen, ihre Umgebung zu beobachten und sich bei Bedarf aus Situationen zurückzuziehen. Sichere Verstecke und mehrere zugängliche Ebenen erhöhen damit nicht nur die nutzbare Fläche, sondern vor allem die Wahl- und Kontrollmöglichkeiten der Katze.
Erhöhte Plätze erfüllen für Katzen mehrere Funktionen gleichzeitig. Sie vergrößern den nutzbaren Raum, schaffen Abstand und ermöglichen es, die Umgebung aus einer geschützten Position zu beobachten. Besonders in Haushalten mit mehreren Katzen können verschiedene Ebenen zudem helfen, Begegnungen auszuweichen und Konflikte zu entschärfen. Ein Kratzbaum ist deshalb ein guter Anfang, muss aber nicht die einzige Lösung sein. Regalbretter, Fensterplätze oder andere stabile, gut erreichbare erhöhte Flächen können ebenso wertvoll sein. Entscheidend ist, dass die Katze tatsächlich zwischen unterschiedlichen Orten wählen und diese sicher erreichen und wieder verlassen kann.
Ein oft unterschätzter Bestandteil des häuslichen Territoriums sind ganz einfache Kartons. Katzen nutzen sie nicht nur zum Spielen, sondern häufig auch als geschützte Rückzugsorte. Besonders gut untersucht ist dieser Effekt in Tierheimen: Katzen, denen Versteckboxen zur Verfügung standen, passten sich dort schneller an und zeigten früher niedrigere Verhaltens-Stresswerte als Tiere ohne eine solche Möglichkeit. Auch wenn sich diese Ergebnisse nicht eins zu eins auf das Leben in einer vertrauten Wohnung übertragen lassen, sprechen sie für ein grundlegendes Bedürfnis nach Rückzug und Abschirmung. Dafür braucht es kein teures Zubehör. Ein stabiler Pappkarton mit seitlichem Einstieg kann ebenso wertvoll sein wie eine gekaufte Katzenhöhle. Er bietet Schutz, begrenzt Sichtkontakte und schafft einen Ort, den die Katze selbstständig aufsuchen und wieder verlassen kann.
Jagdverhalten und Beschäftigung: Warum Katzen Beuteverhalten brauchen
Katzen sind hochspezialisierte Jäger. Auch wenn eine Wohnungskatze ihr Futter nicht selbst erbeuten muss, bleibt das zugrunde liegende Verhaltenssystem erhalten: Beute wahrnehmen und beobachten, sich anschleichen, verfolgen, anspringen, greifen und schließlich fangen. Möglichkeiten, Elemente dieses Verhaltens auszuleben, gehören deshalb zu einer katzengerechten Umwelt. Dabei muss Beschäftigung nicht immer aus gemeinsamem Spiel mit dem Menschen bestehen. Auch selbstständiges Erkunden, Beobachten, Suchen oder die Beschäftigung mit geeigneten Objekten können wichtige Verhaltensmöglichkeiten bieten. Welche Formen und wie viel davon eine Katze benötigt, unterscheidet sich erheblich und hängt unter anderem von Alter, Temperament, Gesundheit und bisherigen Erfahrungen ab.
Eine Möglichkeit, Jagdverhalten in der Wohnung anzuregen, ist interaktives Spiel mit beweglichen Spielzeugen wie einer Katzenangel. Dabei kann die Bewegung des Spielzeugs Beute imitieren und der Katze Gelegenheit zum Beobachten, Anschleichen, Verfolgen und Fangen geben. Sinnvoll ist es, ihr dabei auch tatsächlich Erfolgserlebnisse zu ermöglichen, statt das „Beutetier“ dauerhaft unerreichbar zu halten. Wie häufig und wie lange eine Katze spielen möchte, lässt sich jedoch nicht allgemein festlegen. Manche Katzen zeigen mehrere kurze Spielsequenzen am Tag, andere interessieren sich nur gelegentlich dafür. Entscheidend ist deshalb weniger ein festes Spielpensum als ein Angebot, das zum individuellen Verhalten der Katze passt.
Auch visuelle Reize können für manche Katzen interessant sein. Bewegte Bilder von Vögeln, Fischen oder kleinen Beutetieren auf einem Bildschirm lösen bei einzelnen Tieren deutliches Beobachtungs- oder Jagdverhalten aus. Untersuchungen aus Tierheimen zeigen, dass solche visuellen Angebote das Verhalten von Katzen kurzfristig beeinflussen können. Wie groß ihr Nutzen für das Wohlbefinden von Wohnungskatzen im häuslichen Alltag tatsächlich ist, ist allerdings bislang nur begrenzt untersucht. Bildschirmreize sollten deshalb eher als zusätzliche Form der Beschäftigung verstanden werden und nicht als Ersatz für reale Interaktion, Bewegung oder andere Möglichkeiten, die Umwelt aktiv zu erkunden.
Soziale Bindungen: Nähe, Sicherheit und Individualität
Das lange verbreitete Bild der Katze als grundsätzlich unsozialem Einzelgänger ist wissenschaftlich nicht haltbar. Katzen sind sozial flexibel: Abhängig von frühen Erfahrungen, Ressourcen und Lebensumständen können sie sowohl allein als auch in sozialen Gruppen leben und enge Beziehungen zu Artgenossen und Menschen entwickeln. Untersuchungen zur Mensch-Katze-Beziehung zeigen zudem, dass Katzen unterschiedliche Bindungsmuster gegenüber ihren Bezugspersonen ausbilden können. In einer Studie von Vitale et al. (2019) wurden rund zwei Drittel der untersuchten Katzen als sicher gebunden eingestuft. Bei diesen Tieren schien die Anwesenheit der vertrauten Person dazu beizutragen, dass sie sich nach einer kurzen Trennung wieder leichter beruhigten und ihre Umgebung weiter erkundeten.
Wie viel sozialen Kontakt eine Katze sucht, ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Katzen verbringen viel Zeit in der Nähe vertrauter Menschen, andere bevorzugen kurze, selbst gewählte Interaktionen und ziehen sich anschließend wieder zurück. Entscheidend für gutes Wohlbefinden ist deshalb nicht möglichst viel Nähe, sondern die Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen und ebenso wieder zu beenden. Menschen sollten auf Körpersprache und individuelle Präferenzen achten und soziale Interaktion nicht erzwingen. Gerade bei Wohnungskatzen gehört ein verlässliches soziales Umfeld zu den wichtigen Bestandteilen des Alltags – neben Rückzug, Beschäftigung und räumlicher Kontrolle.
Auch Eigenschaften und Verhalten des Menschen können mit dem Wohlbefinden der Katze zusammenhängen. In einer großen Befragungsstudie mit mehr als 3.000 Katzenhaltern fanden Finka et al. (2019) Zusammenhänge zwischen bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen der Halter und verschiedenen Aspekten von Haltung, Verhalten und Gesundheit der Katzen. So berichteten Menschen mit höheren Neurotizismuswerten häufiger über unerwünschte Verhaltensweisen ihrer Katzen und beschrieben deren Gesundheitszustand weniger positiv. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Persönlichkeit eines Menschen unmittelbar Stress oder Erkrankungen bei der Katze verursacht. Die Ergebnisse zeigen vielmehr, wie eng Haltung, Wahrnehmung des Tieres und Mensch-Katze-Beziehung miteinander verknüpft sein können.
Viele berufstätige Halter fragen sich, ob ihre Katze darunter leidet, wenn sie während eines normalen Arbeitstags mehrere Stunden allein zu Hause ist. Erstaunlicherweise ist diese alltägliche Situation wissenschaftlich bislang nur wenig untersucht. Katzen können längere Ruhephasen verbringen und viele Tiere scheinen zeitweise Abwesenheiten ihrer Bezugsperson gut zu bewältigen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass manche Katzen auf Trennung reagieren und dass trennungsbezogene Verhaltensprobleme durchaus vorkommen können. Eine allgemeingültige Grenze, wie viele Stunden eine Katze problemlos allein bleiben kann, lässt sich aus der bisherigen Forschung jedoch nicht ableiten. Entscheidend sind vermutlich mehrere Faktoren zugleich: Persönlichkeit und Alter der Katze, ihre sozialen Beziehungen, die Gestaltung der Wohnung, vorhandene Beschäftigungsmöglichkeiten und die Verlässlichkeit des gewohnten Tagesablaufs.
Ob eine Wohnungskatze eine zweite Katze braucht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Katzen sind sozial flexibel: Sie können enge und stabile Beziehungen zu Artgenossen entwickeln, müssen aber nicht in jedem Fall mit einer anderen Katze zusammenleben. Wie gut eine Vergesellschaftung funktioniert, hängt unter anderem von früher Sozialisation, Temperament, Alter, bisherigen Erfahrungen und der Verfügbarkeit wichtiger Ressourcen ab. Eine passende Zweitkatze kann eine große Bereicherung sein; eine unpassende Konstellation kann dagegen zu dauerhaftem sozialen Stress führen. Entscheidend ist deshalb nicht die Anzahl der Katzen, sondern die Qualität ihrer Beziehung und die Möglichkeit, einander bei Bedarf auszuweichen.
Die Sinneswelt: Abwechslung für Augen, Ohren und Nase
Katzen nehmen ihre Umwelt anders wahr als Menschen. Ihr Gehör reicht in deutlich höhere Frequenzbereiche, ihr Geruchssinn spielt eine zentrale Rolle bei Orientierung und Kommunikation, und ihre visuelle Wahrnehmung reagiert besonders sensibel auf Bewegung. Auch in der Wohnung können unterschiedliche Sinneseindrücke deshalb zur Beschäftigung und Orientierung beitragen. Entscheidend ist jedoch nicht eine möglichst große Zahl ständig wechselnder Reize, sondern eine Umgebung, in der die Katze interessante Eindrücke wahrnehmen und sich ihnen zugleich entziehen kann.
Ein Fensterplatz kann für viele Wohnungskatzen eine wichtige Quelle wechselnder visueller Reize sein. Bewegungen von Menschen, Tieren oder Fahrzeugen bieten Gelegenheit zum Beobachten, ohne dass die Katze selbst aktiv werden muss. Auch Gerüche können zur Abwechslung beitragen. Besonders gut untersucht sind Katzenminze und Silver Vine (Actinidia polygama). In einer Studie mit 100 Hauskatzen reagierten etwa zwei Drittel auf Katzenminze und knapp 80 Prozent auf Silver Vine; selbst viele Katzen, die Katzenminze ignorierten, zeigten eine Reaktion auf Silver Vine. Solche Angebote können deshalb eine interessante Form der Geruchsanreicherung sein – allerdings reagieren Katzen individuell sehr unterschiedlich darauf.
Auch menschliche Stimmen gehören zur akustischen Umwelt einer Katze. Untersuchungen zeigen, dass Katzen vertraute Stimmen von fremden unterscheiden können und sogar darauf reagieren, ob ihre Bezugsperson in einer speziell an sie gerichteten Sprechweise mit ihnen spricht. Ob aufgezeichnete Sprache oder Hörbücher Katzen tatsächlich beruhigen, ist wissenschaftlich bislang kaum untersucht. Bei Katzen, die an menschliche Stimmen im Alltag gewöhnt sind, können ruhige Sprachaufnahmen dennoch eine mögliche Form akustischer Beschäftigung sein. Entscheidend ist auch hier die individuelle Reaktion: Die Katze sollte jederzeit die Möglichkeit haben, sich der Geräuschquelle zu entziehen.
Gesundheit: Chancen und Risiken der Wohnungshaltung
Wohnungshaltung verändert das gesundheitliche Risikoprofil einer Katze. Sie schützt vor vielen Gefahren des unkontrollierten Freigangs, etwa Verkehrsunfällen, Verletzungen durch andere Tiere, Verlust und einem Teil der Infektionsrisiken. Daraus lässt sich jedoch nicht pauschal ableiten, um wie viele Jahre Wohnungskatzen länger leben. Lebenserwartung wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, darunter Alter, Gesundheitsversorgung, Ernährung, Körpergewicht und individuelle Lebensbedingungen. Gleichzeitig kann reine Wohnungshaltung eigene Risiken begünstigen, wenn Bewegung, Beschäftigung und eine angemessene Fütterung fehlen. Übergewicht und Adipositas entstehen bei Katzen multifaktoriell; ein bewegungsarmer Lebensstil in Innenräumen gehört dabei zu mehreren möglichen Risikofaktoren.
Regelmäßige Gewichtskontrollen helfen dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Auch die Flüssigkeitsaufnahme spielt eine wichtige Rolle, insbesondere für die Gesundheit der Harnwege. Viele Katzen nehmen einen erheblichen Teil ihres Wasserbedarfs über die Nahrung auf, weshalb Nassfutter die Gesamtwasseraufnahme erhöhen kann. Zusätzliche Wasserstellen an ruhigen, gut zugänglichen Orten können ebenfalls sinnvoll sein. Ob eine Katze breite Schalen, Trinkbrunnen oder bestimmte Materialien bevorzugt, ist individuell unterschiedlich. Für den häufig genannten „Whisker Stress“ durch den Kontakt der Schnurrhaare mit engen Näpfen gibt es bislang nur begrenzte wissenschaftliche Evidenz. Entscheidend ist deshalb weniger eine bestimmte Napfform als die Frage, ob die Katze Wasser und Futter problemlos und ohne erkennbares Meideverhalten aufnehmen kann.
Kernressourcen: Futter, Wasser und Toiletten
Futter, Wasser und Toiletten gehören zu den wichtigsten Ressourcen im Lebensraum einer Katze. Katzen nehmen unter natürlichen Bedingungen über den Tag und die Nacht verteilt mehrere kleine Beutetiere auf. Auch in der Wohnung kann eine Aufteilung der täglichen Futtermenge in mehrere kleinere Portionen diesem Verhaltensmuster entgegenkommen. Futter muss dabei nicht immer am selben Ort angeboten werden: Verschiedene Futterplätze oder gelegentlich versteckte kleine Portionen können zusätzlich Such- und Erkundungsverhalten ermöglichen. Entscheidend ist jedoch, dass solche Angebote zur einzelnen Katze passen und nicht zu Konkurrenz oder Stress führen – besonders in Haushalten mit mehreren Katzen.
Beim Wasser ist weniger eine einzelne „richtige“ Lösung entscheidend als ein gutes Angebot. Mehrere gut zugängliche Wasserstellen können sinnvoll sein, besonders in größeren Wohnungen oder Mehrkatzenhaushalten. Standort, Gefäßform und Material können die Nutzung beeinflussen, werden von Katzen aber individuell sehr unterschiedlich akzeptiert. Einige Tiere trinken gern aus breiten Schalen, andere bevorzugen fließendes Wasser aus einem Trinkbrunnen. Wichtig ist vor allem, Wasser an ruhigen Orten anzubieten und Konkurrenz mit anderen Katzen möglichst zu vermeiden.
Katzentoiletten sind nicht nur eine hygienische Notwendigkeit, sondern eine zentrale Ressource im Lebensraum der Katze. Häufig wird empfohlen, pro Katze eine Toilette plus eine zusätzliche anzubieten. Diese „Katze + 1“-Regel ist jedoch eine praktische Faustregel und keine wissenschaftlich belegte feste Vorgabe. Entscheidend ist vielmehr, dass ausreichend Toiletten an voneinander getrennten, ruhigen und gut zugänglichen Orten vorhanden sind. In Mehrkatzenhaushalten spielt dabei auch die soziale Struktur eine Rolle: Katzen, die nicht derselben sozialen Gruppe angehören, sollten Toiletten nutzen können, ohne einander begegnen oder den Zugang gegenseitig blockieren zu müssen. Auch Größe, Streu, Sauberkeit und individuelle Vorlieben beeinflussen, ob eine Toilette angenommen wird.
Auch die Gestaltung der Toilette selbst beeinflusst ihre Akzeptanz. Viele Katzen bevorzugen ausreichend große, offene Toiletten mit feinkörniger, unparfümierter Streu, doch auch hier gibt es individuelle Unterschiede. Entscheidend ist, dass die Katze sich bequem drehen, scharren und eine geeignete Stelle wählen kann. Stark parfümierte Streu, häufige Wechsel der Streuart oder schlecht erreichbare Toiletten können die Nutzung erschweren. Regelmäßige Reinigung ist wichtig, sollte aber nicht dazu führen, vertraute Gerüche vollständig und ständig zu entfernen. Besonders bei Unsauberkeit lohnt es sich, nicht nur die Zahl der Toiletten zu betrachten, sondern ebenso Standort, Größe, Sauberkeit, Streu und mögliche soziale Konflikte im Haushalt.
Stress und Routinen: Die Bedeutung von Vorhersagbarkeit
Vorhersagbarkeit und ein gewisses Maß an Kontrolle über die eigene Umwelt können Katzen helfen, mit alltäglichen Anforderungen umzugehen. Vertraute Abläufe, bekannte Rückzugsorte und konsistente Interaktionen mit Menschen machen Ereignisse besser einschätzbar. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Tagesablauf minutengenau gleich sein muss. Entscheidend ist vielmehr, dass wichtige Ressourcen zuverlässig verfügbar sind und Veränderungen nicht unnötig abrupt oder unkontrollierbar erfolgen. Moderne Tierwohlmodelle wie das Five-Domains-Modell berücksichtigen deshalb neben körperlichen Bedürfnissen ausdrücklich auch den mentalen Zustand des Tieres und die Frage, wie es seine Umwelt erlebt.
Buffington (2002) zeigte, dass Stressoren wie Umzüge oder laute Besucher idiopathische Blasenentzündungen auslösen können. Auch kleine Veränderungen, wie neue Düfte, können Irritationen hervorrufen. Ein „sicherer Raum“ mit vertrauten Objekten, den die Katze jederzeit aufsuchen kann, hilft, Stress abzufangen. Wer frühzeitig Symptome wie übermäßiges Putzen, Rückzug oder Aggression bemerkt, kann durch Anpassungen im Alltag langfristige Erkrankungen verhindern.
Wenn nicht alles möglich ist: Was wirklich zählt
Nicht jede Wohnung bietet Platz für Catios, große Kletterlandschaften oder zahlreiche Speziallösungen. Entscheidend ist auch nicht die Menge der Ausstattung, sondern ob die grundlegenden Bedürfnisse der Katze erfüllt werden. Dazu gehören verlässlicher Zugang zu Futter und Wasser, geeignete Toiletten, sichere Rückzugsmöglichkeiten, Möglichkeiten zur Bewegung und Beschäftigung sowie soziale Kontakte in einer Form, die zur jeweiligen Katze passt. Auch mit einfachen Mitteln lässt sich deshalb eine Umgebung schaffen, die Sicherheit, Wahlmöglichkeiten und Abwechslung bietet.
Viele Bedürfnisse lassen sich auch mit einfachen Mitteln erfüllen. Ein Karton kann einen geschützten Rückzugsort bieten, ein stabiles Regalbrett einen erhöhten Aussichtspunkt und ein geeignetes Spielzeug Möglichkeiten für Jagd- und Erkundungsverhalten. Entscheidend ist nicht, wie aufwendig eine Lösung ist, sondern welche Funktion sie für die Katze erfüllt. Gute Umweltgestaltung entsteht deshalb weniger durch möglichst viel Spezialzubehör als durch passende, sicher nutzbare und individuell akzeptierte Angebote.
Empfehlungen für die Haltung von Wohnungskatzen sind wichtige Orientierungspunkte, müssen aber immer auf das einzelne Tier und den konkreten Haushalt übertragen werden. Nicht jede Empfehlung lässt sich schematisch anwenden. So kann beispielsweise auch eine geringere Zahl an Toiletten funktionieren, wenn alle Katzen sie problemlos nutzen, keine Konkurrenz entsteht und weder Unsauberkeit noch andere Hinweise auf Stress auftreten. Entscheidend ist deshalb, die vorhandenen Ressourcen und das Verhalten der Katzen regelmäßig zu beobachten und die Umgebung anzupassen, wenn sich Bedürfnisse oder soziale Beziehungen verändern.
Fazit
Wohnungskatzen können ein erfülltes und ihren Bedürfnissen entsprechendes Leben führen. Entscheidend ist nicht allein, ob eine Katze drinnen oder draußen lebt, sondern wie viel Sicherheit, Wahlmöglichkeit, Rückzug, Beschäftigung und soziale Kontrolle ihre Umgebung bietet. Gute Wohnungshaltung bedeutet deshalb nicht Perfektion oder möglichst viel Ausstattung. Sie entsteht dort, wo Menschen die individuellen Bedürfnisse ihrer Katze beobachten, ernst nehmen und die Umgebung entsprechend gestalten.
Gerade wenn ihre Halter nicht da sind, profitieren Katzen von vertrauten Abläufen, bekannten Rückzugsorten und möglichst wenig Veränderung in ihrer gewohnten Umgebung. Eine Betreuung im eigenen Zuhause kann deshalb dazu beitragen, dass wichtige Routinen und Strukturen erhalten bleiben.
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Disclaimer
Dieser Artikel basiert auf aktuellen verhaltenswissenschaftlichen und veterinärmedizinischen Erkenntnissen und dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder individuelle Beratung. Katzen unterscheiden sich in ihren Bedürfnissen, ihrer Gesundheit und ihrem Verhalten erheblich. Bei gesundheitlichen Problemen oder auffälligen Verhaltensänderungen sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt konsultiert werden; bei Verhaltensproblemen kann zusätzlich fachkundige verhaltensmedizinische oder verhaltensberaterische Unterstützung sinnvoll sein.