Zwischen den Jahren: Warum diese Zeit uns lähmt – und warum Katzen sie lieben
Die Zeit zwischen den Jahren fühlt sich für viele Menschen lähmend oder richtungslos an. Biologisch, psychologisch und kulturell ist das kein Zufall. Katzen kommen mit dieser Übergangszeit erstaunlich gut zurecht – weil ihr Nervensystem anders auf Licht, Routinen und Unsicherheit reagiert.
Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr entziehen sich einer klaren Beschreibung. Sie fühlen sich nicht einfach ruhig an, sondern eigentümlich schwerelos. Der Kalender läuft weiter, doch das innere Zeitgefühl verliert an Schärfe. Viele Menschen berichten von Antriebslosigkeit, innerer Leere oder dem Gefühl, „nichts anfangen zu können“, obwohl objektiv weder Erschöpfung noch Überforderung vorliegt.
Diese Empfindung ist kein persönliches Defizit und kein moderner Luxuszustand. Sie ist tief im Zusammenspiel von Biologie, Kultur und Wahrnehmung verankert. Und sie erklärt auch, warum Katzen in genau dieser Zeit oft besonders stabil, ruhig oder auffallend präsent wirken.
„Manche Zeiten wollen nicht gefüllt werden – sie wollen wahrgenommen werden. Katzen wissen das.“ Katzengesellschaft
Licht und Biologie: Der Körper weiß, dass es Winter ist
Zwischen den Jahren befinden wir uns unmittelbar nach der Wintersonnenwende. Die Tage sind noch kurz, das Licht bleibt flach, die Dämmerungsphasen lang. Auch wenn der Kalender bereits auf Neuanfang steht, reagiert der Körper weiterhin auf winterliche Bedingungen.
Beim Menschen führt die geringe Lichtintensität zu messbaren Veränderungen im Hormonhaushalt. Die Melatonin-Ausschüttung bleibt erhöht, während serotonerge Aktivität gedämpft ist. Das Gehirn schaltet nicht in einen Modus der Aktivierung, sondern in einen Zustand reduzierter Zielorientierung. Motivation fällt schwer – nicht, weil etwas fehlt, sondern weil das System biologisch auf Rückzug und Regeneration eingestellt ist.
Katzen reagieren auf diese Veränderungen ebenfalls, allerdings ohne inneren Konflikt. Ihr Aktivitätsmuster ist evolutionär stärker an die Photoperiode gekoppelt als an soziale Zeitmarker. Längere Ruhephasen, kürzere Aktivitätsfenster und ein ausgeprägteres Bedürfnis nach Wärme und Rückzug sind biologisch vorgesehen. Die verlängerten Dämmerungszeiten kommen ihnen sogar entgegen, da ihre Sinneswahrnehmung gerade in diesen Lichtverhältnissen besonders effizient arbeitet.
Während Menschen häufig versuchen, gegen diesen Zustand anzusteuern – mit Vorsätzen, Planung oder Aktivität –, geraten Katzen nicht in Spannung. Ihr Nervensystem arbeitet nicht gegen das Licht, sondern mit ihm. Die Zeit zwischen den Jahren ist für sie keine Phase des Stillstands, sondern eine Phase physiologischer Stimmigkeit.
Warum Katzen diese Zeit nicht lähmt, sondern stabilisiert
Was Menschen in diesen Tagen als Lähmung erleben, ist neurobiologisch betrachtet vor allem ein Zustand ohne klare Zielstruktur. Das menschliche Gehirn ist stark dopaminorientiert: Es reagiert auf Erwartungen, Fortschritt und Belohnung. Zwischen den Jahren brechen diese Marker weg. Das alte Jahr ist innerlich abgeschlossen, das neue noch nicht mit Bedeutung gefüllt. Das System bleibt aktiv, findet aber keinen nächsten Schritt.
Katzen funktionieren grundlegend anders. Ihr Verhalten ist nicht zukunftsorientiert, sondern zustandsbezogen. Sie reagieren kontinuierlich auf innere Signale und Umweltreize, ohne diese in lineare Zeitkonzepte zu übersetzen. Planung im menschlichen Sinn ist für sie nicht notwendig, um Sicherheit zu empfinden.
Zwischen den Jahren sinkt in vielen Haushalten die Reizdichte. Geräusche werden leiser, Bewegungen weniger abrupt, soziale Anforderungen diffuser. Selbst wenn mehr Menschen anwesend sind, ist deren Verhalten oft weniger fragmentiert. Für Katzen bedeutet das eine spürbare Entlastung ihres hochsensiblen Wahrnehmungssystems. Sie müssen weniger filtern, weniger kompensieren, weniger reagieren.
Physiologische Studien zur Stressverarbeitung bei Katzen zeigen, dass nicht absolute Ruhe entscheidend ist, sondern Vorhersehbarkeit. Eine Umgebung mit gleichmäßiger, niedriger Reizintensität führt zu stabileren Cortisolwerten und einer ausgeglicheneren autonomen Regulation. Genau diese Bedingungen entstehen in den Tagen zwischen den Jahren häufig beiläufig – als Nebenprodukt menschlicher Erschöpfung.
Was beim Menschen innere Leere erzeugt, schafft bei Katzen Kohärenz. Sie wirken ruhiger, nicht weil sie passiv werden, sondern weil ihr System endlich nicht gegen äußere Unruhe arbeiten muss.
Warum es keine berühmte Katze für diese Zeit gibt
In kulturellen Erzählungen übernehmen Tiere meist klar umrissene Rollen. Sie stehen für Gefahr, Schutz, Bewegung oder moralische Ordnung. Solche Figuren helfen, Übergänge zu strukturieren und Unsicherheit erzählbar zu machen. Die Zeit zwischen den Jahren entzieht sich jedoch genau dieser Logik. Sie ist kein Ereignis mit Ziel, sondern ein Zustand ohne Richtung.
Katzen passen schlecht in symbolische Ordnungen. Historisch erscheinen sie selten als eindeutige Akteure, sondern vielmehr als stille Begleiter – anwesend, aber nicht erklärend. Sie handeln nicht im Auftrag einer höheren Ordnung und lassen sich nicht funktional vereinnahmen. Gerade deshalb eignen sie sich nicht als mythologische Figur für eine Zeit, die selbst nicht erklärt werden will.
Eine „berühmte Katze“ für diese Tage würde voraussetzen, dass dieser Zeitraum eine klare Bedeutung, eine Aufgabe oder eine moralische Funktion hat. Katzen verkörpern das Gegenteil. Sie stehen für das Aushalten von Uneindeutigkeit, für das Verweilen ohne Zweck. In einer Phase, die kulturell schwer greifbar ist, wären sie als Symbol fast zu ehrlich.
Dass es keine benannte Katze für diese Zeit gibt, ist daher kein Mangel, sondern konsequent. Katzen sind hier nicht Mythos, sondern Spiegel. Sie zeigen, dass Übergänge keine Erzählung brauchen, um real zu sein.
Wahrnehmungsverschiebung: Warum wir Katzen zwischen den Jahren intensiver erleben
Ein oft übersehener Aspekt dieser Zeit liegt nicht im Verhalten der Katzen, sondern in unserer eigenen Wahrnehmung. Zwischen den Jahren verlangsamt sich nicht nur der Alltag, sondern auch unser inneres Tempo. Aufmerksamkeit wird weniger zielgerichtet, weniger fragmentiert. Wir sind häufiger anwesend, ohne beschäftigt zu sein.
Dadurch nähern wir uns unbewusst dem Wahrnehmungsmodus der Katze an. Plötzlich fallen kleine Bewegungen auf, Pausen, Blickwechsel, die Art, wie eine Katze einen Raum liest, bevor sie sich niederlässt. Was das ganze Jahr über vorhanden ist, wird erst jetzt sichtbar.
Nicht Katzen verändern sich in diesen Tagen grundlegend. Unser Blick auf sie verändert sich.
Psychologisch betrachtet handelt es sich um eine Verschiebung von fokussierter zu offener Aufmerksamkeit. Dieser Zustand ist mit erhöhter Wahrnehmungstiefe verbunden, kann aber auch irritieren, weil er unserem gewohnten Funktionsmodus widerspricht. Katzen bewegen sich dauerhaft in diesem Modus. Zwischen den Jahren geraten wir ihm für kurze Zeit näher.
Vielleicht wirkt ihre Ruhe deshalb manchmal provokant. Sie konfrontiert uns mit einer Form von Präsenz, die wir selbst verlernt haben.
Was Katzen uns zwischen den Jahren lehren können
Katzen geben in dieser Zeit keine Anleitung und kein Versprechen auf Erholung. Sie zeigen nichts, was man aktiv nachahmen müsste. Was sie verkörpern, ist subtiler: die Fähigkeit, Übergänge nicht zu bewerten.
Katzen müssen nicht wissen, was kommt. Sie reagieren auf das, was ist. Ihre Stabilität entsteht nicht aus Kontrolle über die Zukunft, sondern aus Verankerung im Moment. Neurobiologisch entspricht das einem Zustand offener Aufmerksamkeit, der nachweislich mit besserer Stressregulation einhergeht.
Für Menschen ist dieser Zustand ungewohnt. Wir verwechseln fehlende Zielorientierung mit Stillstand und Ruhe mit Bedeutungslosigkeit. Katzen kennen diese Trennung nicht. Für sie ist Verweilen eine aktive Form der Weltbeziehung.
Vielleicht ist das die eigentliche Lehre der Zeit zwischen den Jahren: Dass Lähmung nicht überwunden werden muss, dass Übergänge nicht gefüllt werden müssen und dass Stabilität manchmal nicht aus Bewegung entsteht, sondern aus dem bewussten Aushalten des Dazwischen. Katzen beherrschen das das ganze Jahr über. Zwischen den Jahren haben wir die seltene Gelegenheit, es wahrzunehmen.
Häufige Fragen zur Zeit zwischen den Jahren und Katzen
Warum fühlen sich viele Menschen zwischen den Jahren antriebslos?
Weil nach Abschluss des Jahres zentrale psychologische Zielmarker wegfallen und gleichzeitig Lichtmangel sowie hormonelle Umstellungen die Aktivierung des Gehirns dämpfen.
Merken Katzen den Jahreswechsel?
Katzen reagieren nicht auf Kalenderdaten, aber sehr sensibel auf Veränderungen in Licht, Routinen und Reizdichte – all das verändert sich zwischen den Jahren deutlich.
Warum wirken Katzen in dieser Zeit oft ruhiger?
Weniger Reize, mehr Vorhersehbarkeit und längere Ruhephasen stabilisieren das autonome Nervensystem von Katzen.
Brauchen Katzen zwischen den Jahren besondere Betreuung?
In der Regel nicht. Wichtig sind konstante Routinen, ruhige Rückzugsorte und ein respektvoller Umgang mit ihrem erhöhten Ruhebedürfnis.
Disclaimer
Dieser Beitrag verbindet verhaltensbiologische, psychologische und kulturgeschichtliche Perspektiven. Er dient der Einordnung und bewussten Wahrnehmung und ersetzt keine individuelle Verhaltens- oder Gesundheitsberatung.
Weiterführende Blogs
Quellen & weiterführende Literatur
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