Wenn jeder Atemzug schwerfällt: Asthma bei Katzen im Fokus der Forschung
Update Juni 2026
Autor: Corina Käsler, Geschäftsführerin Katzengesellschaft
Asthma ist bei Katzen eine ernstzunehmende, chronische Erkrankung der Atemwege, die – unbehandelt – die Lebensqualität erheblich einschränken kann. Gleichzeitig zeigen aktuelle tiermedizinische Studien, dass mit gezielter Therapie und individueller Anpassung betroffene Tiere heute ein weitgehend beschwerdefreies Leben führen können. Doch wie entsteht felines Asthma überhaupt? Welche Therapien stehen zur Verfügung, und wie sicher ist die Prognose? Ein wissenschaftlicher Blick auf eine Erkrankung, die oft unterschätzt wird – bis zum ersten Anfall.
„Ein Husten ist kein Haarballen. Asthma bei Katzen wird oft übersehen – dabei zählt jede früh erkannte Atemnot.“ Katzengesellschaft.com
Was ist felines Asthma?
Asthma bei Katzen, auch als felines Asthma bronchiale bezeichnet, gehört zu den chronisch entzündlichen Atemwegserkrankungen und betrifft primär die Bronchien – also die unteren Atemwege. Die Pathophysiologie gleicht in vielerlei Hinsicht dem allergisch bedingten Asthma des Menschen. Eine übermäßige Reaktion des Immunsystems führt zu einer Entzündung der Bronchialschleimhaut. Diese reagiert mit einer verstärkten Schleimproduktion, Schwellung und krampfartiger Verengung der Bronchien. Besonders auffällig ist dabei, dass die Atemnot in der Regel beim Ausatmen auftritt, was die Erkrankung von vielen anderen Lungenerkrankungen unterscheidet.
Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass die Grenzen zwischen klassischem Asthma und chronischer Bronchitis bei Katzen nicht immer eindeutig sind. Beide Erkrankungen werden heute häufig unter dem Sammelbegriff „Feline Lower Airway Disease“ zusammengefasst. Die genaue Unterscheidung erfolgt häufig anhand bestimmter Entzündungszellen, die bei Untersuchungen der unteren Atemwege nachgewiesen werden können.
Im klinischen Verlauf entwickeln viele Katzen typische Symptome wie anfallsartigen Husten, keuchende oder pfeifende Atmung, erhöhte Atemfrequenz oder sogar Maulatmung – letztere gilt als akuter Notfall. Nicht selten kommt es dabei zu einer Verwechslung mit dem „Würgen“ von Haarballen, was eine zeitgerechte Diagnose verzögert. Gerade zu Beginn zeigt sich Asthma oft unspezifisch und schleichend – ein Risiko, das eine systematische Beobachtung der Tiere im Alltag unerlässlich macht.
Ursachen und Risikofaktoren: Eine komplexe Reaktionskette
Der genaue Auslöser von Katzenasthma ist nach wie vor Gegenstand intensiver Forschung. Die Mehrheit der Fälle scheint jedoch eine allergische Komponente zu beinhalten. Hierbei reagieren die Immunzellen – insbesondere eosinophile Granulozyten – überempfindlich auf bestimmte Reize in der Atemluft. Dazu zählen Umweltallergene wie Hausstaubmilben, Pollen, Schimmelsporen oder Rauchpartikel. Neben klassischen Allergenen rücken zunehmend Umweltfaktoren in den Fokus der Forschung. Diskutiert werden unter anderem Zigarettenrauch, Feinstaub, Aerosole, Duftstoffe sowie flüchtige organische Verbindungen aus Reinigungs- und Haushaltsprodukten. Der genaue Einfluss einzelner Substanzen auf die Entstehung von Asthma ist jedoch weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.
Mehrere Studien legen nahe, dass die Luftqualität in Innenräumen einen wichtigen Einfluss auf chronische Atemwegserkrankungen haben kann. Da die meisten Wohnungskatzen den Großteil ihres Lebens in geschlossenen Räumen verbringen, gewinnen Umweltbedingungen innerhalb des Haushalts für die Prävention und Kontrolle der Erkrankung besondere Bedeutung.
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt auf genetischen Prädispositionen. Während bislang keine eindeutige Rassedisposition nachgewiesen werden konnte, legen Beobachtungen nahe, dass orientalische Rassen wie Siamkatzen tendenziell häufiger betroffen sind. Das könnte mit einem veränderten Immunprofil oder einer besonderen Anfälligkeit des respiratorischen Epithels zusammenhängen, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Diagnose: Detektivarbeit zwischen Bildgebung und Labor
Die Diagnose von felinem Asthma erfolgt selten über einen einzelnen Test. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel aus Anamnese, klinischer Beobachtung, bildgebenden Verfahren und Ausschlussdiagnostik. Besonders hilfreich ist eine Röntgenaufnahme des Thorax, auf der sich bei Asthma häufig eine sogenannte „donut pattern“-Struktur erkennen lässt – ein Hinweis auf verdickte Bronchialwände.
Als besonders aussagekräftiges Verfahren gilt die bronchoalveoläre Lavage (BAL), bei der mittels Spülung der unteren Atemwege zelluläres Material gewonnen wird. Bei asthmatischen Katzen zeigt sich dabei typischerweise eine eosinophile Entzündungsreaktion. Ergänzt wird die Diagnostik durch Blutuntersuchungen, parasitologische Kotanalysen (zum Ausschluss von Lungenwürmern) sowie in manchen Fällen durch eine CT-Untersuchung.
Neuere Forschungsarbeiten untersuchen zusätzlich nicht-invasive Verfahren zur Beurteilung der Lungenfunktion. Dazu zählt insbesondere die barometrische Ganzkörperplethysmographie, mit deren Hilfe Veränderungen der Atemmechanik ohne invasive Eingriffe gemessen werden können. Derzeit handelt es sich jedoch vor allem um ein wissenschaftliches und spezialisiertes diagnostisches Verfahren.
Wichtig ist der differenzialdiagnostische Ausschluss anderer Lungenerkrankungen wie chronischer Bronchitis, Lungenfibrose, Herzinsuffizienz oder Neoplasien, da sich die Symptome häufig überschneiden.
Therapie: Von Tablette bis Inhalator – individuell abgestimmt
Katzenasthma ist bislang nicht heilbar, aber sehr gut therapierbar. Zentrales Ziel ist es, die chronische Entzündung unter Kontrolle zu bringen und akute Anfälle zu vermeiden. Eine dauerhafte medikamentöse Behandlung ist dabei meist unumgänglich.
Das Rückgrat der Therapie bilden Kortikosteroide, welche die Entzündung nachhaltig hemmen. Häufig kommt Prednisolon als systemisches Kortikosteroid in Tablettenform zum Einsatz, insbesondere zu Beginn der Behandlung oder während akuter Verschlechterungen. Für die langfristige Kontrolle werden zunehmend inhalative Kortikosteroide wie Fluticason eingesetzt, die direkt in den Atemwegen wirken und dadurch systemische Nebenwirkungen reduzieren können. Diese werden meist über spezielle Inhalationssysteme wie AeroKat® verabreicht. Die Akzeptanz der Inhalationstherapie hat sich laut klinischen Studien in den vergangenen Jahren deutlich verbessert – insbesondere bei Katzen, die frühzeitig und behutsam an das System gewöhnt werden.
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass der langfristige Erfolg der Inhalationstherapie weniger vom verwendeten Medikament als von der konsequenten Anwendung und einer stressarmen Gewöhnung der Katze an das Inhalationssystem abhängt. Geduld, positive Verknüpfungen und ein schrittweises Training können entscheidend dazu beitragen, dass die Behandlung dauerhaft erfolgreich umgesetzt werden kann.
Ergänzt wird die Therapie bei Bedarf durch Bronchodilatatoren wie Salbutamol, die im Akutfall die Atemwege erweitern. Auch diese können über das Inhalationssystem verabreicht werden.
Zunehmend rückt die Umgebungsoptimierung in den Fokus: Staubfreie Einstreu, rauchfreie Umgebung, Verzicht auf stark parfümierte Haushaltsprodukte und gute Luftzirkulation sind zentrale Elemente der nicht-medikamentösen Behandlung.
Im Alltag zeigt sich, dass eine erfolgreiche Therapie weniger an der einzelnen Maßnahme scheitert als an ihrer konsequenten und verlässlichen Umsetzung über längere Zeit.
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Prognose und Lebensqualität: Was Katzen brauchen, um gut zu leben
Die gute Nachricht: Die Prognose für Katzen mit Asthma ist heute in den meisten Fällen günstig – vorausgesetzt, die Erkrankung wird erkannt und konsequent behandelt. Viele Tiere führen bei stabiler Medikation ein nahezu normales Leben. Die Lebensqualität hängt dabei maßgeblich von der Compliance der Halter, dem frühzeitigen Erkennen von Verschlechterungen und der regelmäßigen tierärztlichen Kontrolle ab.
Trotz guter Behandlungserfolge gilt Asthma als chronische Erkrankung, die regelmäßige tierärztliche Kontrollen erfordert. Auch bei symptomfreien Katzen können entzündliche Veränderungen in den Atemwegen fortbestehen, weshalb Therapieanpassungen gelegentlich notwendig werden.
Unbehandelt kann Asthma jedoch zu schwerwiegenden Komplikationen führen – etwa zu dauerhaften Lungenschäden oder einem Status asthmaticus, einem lebensbedrohlichen, langanhaltenden Anfall mit massiver Atemnot. Deshalb gilt: Jede chronische Atemwegssymptomatik sollte tierärztlich abgeklärt und nicht bagatellisiert werden.
Ausblick: Was die Forschung verspricht
Die Forschung zu felinem Asthma konzentriert sich derzeit auf drei zentrale Bereiche: eine genauere Charakterisierung der unterschiedlichen Entzündungsmuster in den Atemwegen, die Entwicklung nicht-invasiver Diagnoseverfahren sowie die Untersuchung des Mikrobioms der Atemwege. Wissenschaftler hoffen, dadurch künftig besser vorhersagen zu können, welche Katzen auf bestimmte Therapien besonders gut ansprechen und wie sich die Erkrankung bereits in frühen Stadien gezielter kontrollieren lässt.
Quellen
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Trzil, J.E. & Reinero, C.R. (2014). Update on feline asthma. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 44(1), 91–105.
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Hörner-Schmid, L., Gareis, H., Palić, J., & Schulz, B. (2024). Influence of acclimatization time on barometric whole-body plethysmography in cats with lower airway disease. Journal of Veterinary Internal Medicine, 38(5), 2654–2663. https://doi.org/10.1111/jvim.17147
Disclaimer
Dieser Artikel basiert auf veterinärmedizinischer Fachliteratur und aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keinesfalls eine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Therapieempfehlung. Wenn Ihre Katze Atemnot, Husten oder andere Symptome zeigt, wenden Sie sich bitte umgehend an eine Tierärztin oder einen Tierarzt.