Mačak – die Katze, die Nikola Tesla die Elektrizität zeigte
Oktober 2026
Autor: Corina Käsler, Geschäftsführerin Katzengesellschaft
Nikola Tesla (1856–1943) war einer der bedeutendsten Erfinder und Elektroingenieure seiner Zeit. Seine Arbeiten an mehrphasigen Wechselstromsystemen und dem Induktionsmotor schufen wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung der modernen elektrischen Energieversorgung. Tesla beschäftigte sich außerdem mit Hochfrequenztechnik, Transformatoren und der drahtlosen Übertragung elektrischer Energie. Der im damaligen österreichischen Kaiserreich geborene Erfinder verbrachte den größten Teil seines Berufslebens in den Vereinigten Staaten. Sein Name ist heute auch durch den 2003 gegründeten amerikanischen Elektroautohersteller Tesla bekannt, der nach ihm benannt wurde.
Am 23. Juli 1939, vier Jahre vor seinem Tod, schrieb der damals 83-jährige Tesla aus New York einen Brief an Pola Fotic, die Tochter des jugoslawischen Botschafters in den Vereinigten Staaten. Die beiden hatten sich kennengelernt und dabei ihre gemeinsame Liebe zu Katzen entdeckt. Tesla erzählte seiner jungen Briefpartnerin von einem Tier, mit dem er als kleiner Junge im Dorf Smiljan aufgewachsen war. Der Kater hieß Macak und war nach Teslas Schilderung sein engster Gefährte gewesen. Gemeinsam hatten sie gespielt, sich im Gras gewälzt und die Umgebung des elterlichen Pfarrhauses erkundet.
Unter diesen Kindheitserinnerungen findet sich die Beschreibung eines ungewöhnlichen Winterabends. Als Tesla den Rücken seines Katers streichelte, sollen zwischen seiner Hand und dem Fell elektrische Funken übergesprungen sein. Sein Vater erklärte ihm, dass es sich um Elektrizität handele, dieselbe Erscheinung, die man auch bei einem Gewitter beobachten könne. Tesla berichtete, dass ihn die Frage nach dem Wesen der Elektrizität seit diesem Erlebnis beschäftigt habe.
Der Brief, der unter dem Titel A Story of Youth Told by Age überliefert ist, gehört zu den ungewöhnlichsten persönlichen Zeugnissen des Erfinders. Er enthält eine ausführliche Beschreibung von Macaks Verhalten und zugleich eine Erinnerung an die erste bewusste Begegnung mit einem physikalischen Phänomen, dem Tesla später einen erheblichen Teil seiner wissenschaftlichen Arbeit widmete.
Macak – ein Kater im Pfarrhaus von Smiljan
Nikola Tesla wurde am 10. Juli 1856 in Smiljan geboren, damals Teil der österreichischen Militärgrenze und heute in Kroatien gelegen. Sein Vater Milutin war serbisch-orthodoxer Priester, seine Mutter Georgina, genannt Ðuka, führte den Haushalt der Familie. Das Pfarrhaus stand unmittelbar neben der Kirche am Fuß eines bewaldeten Hügels, den Tesla in seinem Brief Bogdanic nannte. Hinter der Kirche lag der Friedhof. Die nächsten Nachbarn wohnten nach seiner Erinnerung ungefähr drei Kilometer entfernt, sodass die Familie besonders während der schneereichen Winter recht abgeschieden lebte.
Tesla beschrieb seine Mutter als eine Frau von außergewöhnlicher Arbeitskraft. Sie stand nach seinen Angaben regelmäßig um vier Uhr morgens auf und arbeitete häufig bis elf Uhr abends. Während die übrigen Familienmitglieder noch schliefen, kümmerte sie sich bereits um die Versorgung des Haushalts, beaufsichtigte die Arbeit mit den Haustieren, molk die Kühe und bereitete das Frühstück vor. Tesla beobachtete sie nach eigener Aussage oft schon in den frühen Morgenstunden. Er bewunderte ihre Geschicklichkeit und führte später einen Teil seiner eigenen erfinderischen Fähigkeiten auf sie zurück.
Unter den Tieren des Haushalts befand sich ein Kater namens Mačak. Der Name bedeutet im Serbokroatischen schlicht „Kater“. Der Tesla-Biograf W. Bernard Carlson (2013) beschreibt Mačak als schwarzen Kater. Tesla selbst erwähnte die Fellfarbe in seinem Brief von 1939 nicht. Über die Herkunft und das Alter des Tieres wissen wir nichts. Auch eine gesicherte zeitgenössische Fotografie ist nicht bekannt. Tesla bezeichnete Mačak als die schönste Katze der Welt und versicherte seiner Briefpartnerin, dass er die gegenseitige Zuneigung kaum angemessen beschreiben könne.
Macak folgte dem Jungen nach dessen Darstellung überallhin. Tesla war überzeugt, dass der Kater nicht nur seine Gesellschaft suchte, sondern ihn auch beschützen wollte. Fühlte sich Macak durch einen Menschen oder ein anderes Tier herausgefordert, krümmte er seinen Rücken, sträubte das Fell und fauchte. Sein Schwanz wurde dabei nach Teslas Beschreibung steif wie eine Metallstange, während die Schnurrhaare abstanden. Die Erscheinung sei so eindrucksvoll gewesen, dass sich der vermeintliche Gegner gewöhnlich zurückzog.
Ein solches Verhalten gehört zum defensiven Ausdrucksrepertoire der Katze. Durch das Aufrichten der Haare und die gekrümmte Körperhaltung wirkt das Tier größer, während Fauchen und andere Drohlaute Distanz schaffen sollen. Tesla interpretierte Macaks Reaktionen als Ausdruck seines Beschützerinstinkts. Die Beschreibung lässt ebenso an einen Kater denken, der sich selbst bedroht fühlte und einen möglichen Angreifer auf Abstand halten wollte.
Besonders ausführlich erinnerte sich Tesla an die gemeinsamen Spiele. Am Abend lief er vom Haus an der Kirchenmauer entlang, während Macak ihn verfolgte und nach seinen Hosenbeinen schnappte. Dabei drangen die spitzen Zähne des Katers durch den Stoff, doch sobald sie die Haut des Jungen berührten, ließ der Druck nach. Tesla verglich die vorsichtige Berührung mit einem Schmetterling, der sich auf einem Blütenblatt niederlässt. Die beiden wälzten sich außerdem ausgiebig im Gras, wobei Macak biss, kratzte und schnurrte. Nikola ahmte seine Bewegungen und Laute nach, bis sie schließlich gemeinsam über den Boden rollten.
Dieses körperbetonte Spiel ist auch bei heutigen Katzen zu beobachten. Verfolgungsjagden, Anspringen, Festhalten und dosiertes Beißen gehören zum Spielrepertoire vieler Tiere. Die Intensität hängt von ihrem Temperament, ihrer Entwicklung und ihren Erfahrungen ab. Katzen, die mit Menschen vertraut sind, können beim Spiel ihre Zähne und Krallen kontrolliert einsetzen. Teslas Beschreibung deutet darauf hin, dass Macak an die körperliche Nähe des Jungen gewöhnt war und die beiden eine eingespielte Form des gemeinsamen Spiels entwickelt hatten.
Regen unterbrach diese Gewohnheit. Macak hatte nach Teslas Erinnerung eine ausgeprägte Abneigung gegen nasse Pfoten und machte lieber weite Sprünge, als durch Wasser zu laufen. Bei schlechtem Wetter suchten sich die beiden deshalb einen gemütlichen Platz im Haus. Der Kater war außerdem sehr reinlich und machte sich nachts nur vorsichtig bemerkbar, wenn er hinauswollte. Auch beim Wiedereinlassen kratzte er behutsam an der Tür.
Tesla schilderte Macak mit einer Zuneigung, die gelegentlich zur Idealisierung neigte. Er versicherte, der Kater habe weder Flöhe noch andere Parasiten gehabt, praktisch keine Haare verloren und keinerlei unangenehme Eigenschaften besessen. Die Vorstellung einer vollkommen haarlosen Umgebung trotz eines behaarten Katers ist biologisch wenig plausibel. Als persönliche Erinnerung ist die Bemerkung jedoch aufschlussreich: Tesla beschrieb nicht irgendeine Katze aus seiner Kindheit, sondern ein Tier, dem er offenbar sehr zugetan gewesen war und dessen Verhalten er auch Jahrzehnte später noch detailliert schildern konnte.
Die ländliche Umgebung bot dem Jungen zahlreiche Möglichkeiten, Tiere zu beobachten. Im Pfarrhaus lebten Kühe und Geflügel, und Tesla berichtete auch von Tauben, Hühnern und einem ausgesprochen aggressiven Ganter. Dieser Vogel bereitete ihm nach seiner Erinnerung erhebliches Unbehagen. Er griff Nikola wiederholt an, verfolgte ihn über den Hof und packte ihn an der Kleidung. Tesla beschrieb den Ganter als einen seiner ersten ernsthaften Gegner und erzählte die Begegnungen mit einer Mischung aus Humor und dem noch immer spürbaren Respekt vor dem angriffslustigen Tier. Macak erscheint vor diesem Hintergrund als vertrauter Gefährte in einer Kindheit, in der die Begegnungen mit Tieren keineswegs immer angenehm verliefen.
Der Winterabend, an dem Macaks Fell Funken schlug
Smiljan liegt in einer Landschaft, in der schneereiche Winter und erhebliche Temperaturunterschiede auftreten können. Tesla erinnerte sich an Schneehöhen von bis zu zwei Metern und an die zeitweilige Abgeschlossenheit des Pfarrhauses. Besonders eindrücklich schilderte er das Tauwetter, das ein warmer Wind von der Adriaküste auslösen konnte. Dann verwandelten sich die Schneemassen in strömendes Wasser, das Geröll, Holz und andere Gegenstände mit sich riss. Die trockene Kälte der Wintertage hatte er dagegen in guter Erinnerung behalten.
An einem ungewöhnlich kalten Abend soll sich das Erlebnis zugetragen haben, das er später mit seiner lebenslangen Beschäftigung mit Elektrizität verband. Die Luft sei trockener gewesen als gewöhnlich, und Tesla erinnerte sich an merkwürdige Lichterscheinungen im Schnee. Menschen hätten beim Gehen leuchtende Spuren hinterlassen, während Schneebälle beim Aufprall auf feste Gegenstände kurz aufblitzten.
Als die Dämmerung einsetzte, begann Nikola, Macak über den Rücken zu streicheln. Dabei bemerkte er elektrische Entladungen, die er später als zahlreiche kleine Funken beschrieb. Das Fell des Katers schien ihm auf einmal hell aufzuleuchten. Auch das Knistern der Entladungen habe er deutlich gehört; seiner Erinnerung nach war es sogar im gesamten Haus wahrnehmbar.
Tesla wandte sich an seinen Vater, der als gebildeter Geistlicher viele seiner Fragen beantworten konnte. Milutin Tesla war nach dem Bericht seines Sohnes zunächst ebenfalls überrascht, erklärte dann aber, es handele sich um Elektrizität. Die Erscheinung sei mit dem vergleichbar, was man während eines Gewitters zwischen den Bäumen beobachten könne. Seine Mutter reagierte besorgt und forderte Nikola auf, nicht weiter mit dem Kater zu spielen. Sie fürchtete, dass dieser noch einen Brand auslösen könnte.
Der kleine Nikola beschäftigte sich unterdessen mit einer Frage, die der alte Tesla seiner Briefpartnerin mit unverkennbarer Selbstironie schilderte. Wenn das Streicheln eines Katzenrückens Elektrizität erzeugte, könnte dann vielleicht auch die gesamte Natur eine riesige Katze sein? Und wer würde ihr den Rücken streicheln? Nikola gelangte nach seiner späteren Erinnerung zu dem Schluss, dass es Gott sein müsse. Tesla kommentierte, er habe sich somit bereits im Alter von drei Jahren mit philosophischen Fragen beschäftigt.
In der bei PBS veröffentlichten Fassung des Briefes findet sich außerdem die Beschreibung eines Lichtscheins, den Tesla um Macaks Körper wahrgenommen haben wollte. Als das Zimmer dunkler wurde und die Kerzen angezündet waren, sei der Kater einige Schritte gegangen und habe seine Pfoten geschüttelt. Tesla verglich den vermeintlichen Lichtschein mit dem Heiligenschein eines Heiligen. Er stellte dabei selbst die Frage, ob er eine tatsächliche Erscheinung gesehen habe oder einer Täuschung erlegen sei.
Dieser Teil der Erzählung findet sich nicht in allen veröffentlichten Textfassungen. Auch Teslas Beschreibung der angeblich leuchtenden Fußspuren im Schnee ist eine nach Jahrzehnten niedergeschriebene Erinnerung. Die elektrischen Funken beim Streicheln des Fells lassen sich physikalisch erklären; für die weitergehenden Lichterscheinungen gibt es keine unabhängigen Beobachtungen.
Tesla schrieb, das Erlebnis habe ihn als Kind nachhaltig beeindruckt. Er habe sich immer wieder gefragt, was Elektrizität eigentlich sei, und selbst nach achtzig Jahren wissenschaftlicher Entwicklung erscheine ihm die Frage nicht vollständig beantwortet. Seine Bemerkungen richteten sich dabei auch gegen Wissenschaftler, die seiner Ansicht nach die grundlegenden physikalischen Probleme bereits für gelöst hielten. Die Polemik gehört zu Teslas persönlichem Stil und zu seiner damaligen Auffassung vom Stand der Elektrotechnik.
Wie genau sich ein Mensch an ein Erlebnis aus seinem dritten Lebensjahr erinnern kann, ist eine Frage der autobiografischen Gedächtnisforschung. Erinnerungen aus diesem Alter sind selten und oft schwer von späteren Erzählungen oder nachträglich entwickelten Vorstellungen zu trennen. Tesla verfasste seinen Brief rund achtzig Jahre nach dem beschriebenen Winterabend. Seine Darstellung ist deshalb eine Quelle für seine persönliche Erinnerung und für die Bedeutung, die er dem Ereignis beimaß. Sie kann nicht sämtliche Einzelheiten des damaligen Geschehens unabhängig bestätigen.
Warum Katzenfell elektrische Funken erzeugen kann
Beim Streicheln einer Katze können elektrische Ladungen entstehen, die sich gelegentlich durch ein leises Knistern oder einen kleinen Funken bemerkbar machen. Das Phänomen ist vielen Katzenhaltern bekannt, besonders während der Wintermonate. Ähnliche Entladungen treten auf, wenn man einen Pullover auszieht, mit isolierenden Schuhsohlen über einen Teppich läuft oder bestimmte Kunststoffe aneinanderreibt.
Die physikalische Grundlage wird als Kontaktelektrisierung oder Triboelektrizität bezeichnet. Berühren sich zwei Materialien und werden anschließend wieder voneinander getrennt, kann eine Übertragung elektrischer Ladungen stattfinden. Dabei bleibt unter geeigneten Bedingungen auf den beiden Oberflächen eine unterschiedliche Ladungsverteilung zurück. Wiederholte Berührungen können diesen Effekt verstärken. Beim Streicheln bewegen sich die feinen Katzenhaare an der menschlichen Haut und gegeneinander, sodass fortwährend neue Kontaktstellen entstehen.
Katzenhaare bestehen überwiegend aus Keratin, einem Protein, das auch in menschlichen Haaren, Nägeln und Federn vorkommt. Die äußere Schicht eines Haares, die Cuticula, besitzt eine schuppenartige Struktur. Beim Kontakt des Fells mit Haut, Textilien oder anderen Materialien beeinflussen die chemischen und physikalischen Eigenschaften der jeweiligen Oberflächen, welche Ladungen übertragen werden. Dabei spielen auch die Beschaffenheit der Haare, mögliche Rückstände auf ihrer Oberfläche und die Umgebungsbedingungen eine Rolle.
Die elektrische Aufladbarkeit unterschiedlicher Materialien wird häufig anhand einer sogenannten triboelektrischen Reihe beschrieben. Sie ordnet Materialien danach, ob sie bei Kontakt mit bestimmten anderen Stoffen eher positive oder negative Ladungen annehmen. Eine solche Einordnung ist allerdings nicht für jede Versuchsanordnung unveränderlich gültig. Oberflächenzustand, Feuchtigkeit und Art des Kontakts können die Ergebnisse beeinflussen.
Sam J. England und Daniel Robert von der University of Bristol weisen in ihrer Übersichtsarbeit The ecology of electricity and electroreception darauf hin, dass Katzen- und Kaninchenfell zu den Materialien gehören, die sich vergleichsweise leicht positiv aufladen. Die Autoren beschäftigen sich mit elektrischen Erscheinungen in der Natur und stellen fest, dass die elektrostatischen Eigenschaften vieler Säugetiere bislang nur unzureichend untersucht wurden. Die Fähigkeit zur elektrostatischen Aufladung selbst ist dagegen kein ungewöhnliches Merkmal von Katzen, sondern eine Eigenschaft, die sich bei zahlreichen Materialien und auch bei anderen tierischen Körperoberflächen beobachten lässt (England & Robert, 2022).
Die Bedeutung der trockenen Winterluft
Tesla beschrieb den Winterabend in Smiljan als ungewöhnlich kalt und trocken. Diese Wetterbedingungen könnten erklären, weshalb die elektrischen Entladungen beim Streicheln von Macaks Fell so deutlich wahrnehmbar waren. Bei geringer Luftfeuchtigkeit können sich elektrische Ladungen auf vielen Oberflächen ansammeln und dort länger erhalten bleiben. Feuchtigkeit erleichtert dagegen häufig ihre Ableitung, sodass sich geringere Spannungsunterschiede aufbauen.
In beheizten Innenräumen tritt elektrostatische Aufladung deshalb während der Wintermonate besonders häufig auf. Kalte Außenluft enthält gewöhnlich weniger Wasserdampf als warme Sommerluft. Wird sie im Haus erwärmt, ohne dass zusätzliche Feuchtigkeit hinzukommt, sinkt ihre relative Luftfeuchtigkeit. Textilien, Haare und Tierfell können sich unter diesen Bedingungen stärker aufladen. Beim Streicheln einer Katze kann deshalb ein leises Knistern entstehen, das unter günstigen Bedingungen von kleinen sichtbaren Funken begleitet wird.
Wenn sich zwischen zwei Oberflächen ausreichend unterschiedliche elektrische Potenziale aufgebaut haben, kann die Luft in einem kleinen Zwischenraum ihre isolierende Wirkung verlieren. Es kommt zu einer kurzen elektrischen Entladung, bei der die Luft teilweise ionisiert wird. Das charakteristische Knacken entsteht durch die schnelle Erwärmung und Ausdehnung der Luft entlang des Entladungsweges. Die dabei freigesetzte Energiemenge ist gewöhnlich gering, doch selbst kleine Entladungen können für Katzen unangenehm sein. Eine angemessene Luftfeuchtigkeit und der Verzicht auf stark aufladende Textilien können helfen, solche Situationen zu vermeiden.
Die physikalischen Grundlagen dieser Erscheinung sind seit Langem bekannt. Dennoch beschäftigt sich die Forschung weiterhin mit der Frage, wie elektrische Ladungen beim Kontakt unterschiedlicher Materialien im Einzelnen übertragen werden. Daniel J. Lacks und Troy Shinbrot beschrieben 2019 in Nature Reviews Chemistry verschiedene Mechanismen, an denen je nach Material Elektronen, Ionen oder kleinste Materialbestandteile beteiligt sein können. Auch die Feuchtigkeit beeinflusst diese Vorgänge, wobei ihre Wirkung von den jeweiligen Oberflächeneigenschaften abhängt (Lacks & Shinbrot, 2019).
Die von Tesla beschriebenen Funken passen zu diesen physikalischen Vorgängen. Ob sie tatsächlich so zahlreich und hell waren, wie er sich später erinnerte, ist eine andere Frage. Schon kleinere elektrostatische Entladungen dürften für ein Kind des 19. Jahrhunderts, das noch keine elektrischen Geräte aus seinem Alltag kannte, eine ungewöhnliche Erfahrung gewesen sein.
Nikola Teslas wissenschaftlicher Weg
Tesla begann seine berufliche Laufbahn in einer Zeit, in der sich die elektrische Energieversorgung erst entwickelte. Nach seiner Ausbildung und verschiedenen beruflichen Stationen in Europa kam er 1884 in die Vereinigten Staaten und arbeitete zunächst für Thomas Edison. Die Zusammenarbeit war von kurzer Dauer. Tesla beschäftigte sich anschließend mit eigenen technischen Entwicklungen und fand schließlich Unternehmer, die seine Arbeiten an elektrischen Maschinen finanzierten.
In den 1880er-Jahren entwickelte er mehrphasige Wechselstrommotoren, die mit einem rotierenden Magnetfeld arbeiteten. Seine Patente wurden von George Westinghouse erworben, dessen Unternehmen maßgeblich an der Verbreitung der Wechselstromtechnik beteiligt war. Tesla trug damit zur Lösung eines der großen technischen Probleme der frühen Elektrifizierung bei: der zuverlässigen Nutzung von Wechselstrom für den Betrieb elektrischer Maschinen.
Die Auseinandersetzung zwischen Gleichstrom- und Wechselstromsystemen, die als Stromkrieg bekannt wurde, hatte erhebliche technische und wirtschaftliche Bedeutung. Thomas Edison setzte auf Gleichstromnetze, während Westinghouse den Ausbau der Wechselstromversorgung vorantrieb. Wechselstrom besaß bei der Übertragung elektrischer Energie über größere Entfernungen einen wichtigen Vorteil, weil sich seine Spannung mit Transformatoren vergleichsweise einfach verändern ließ. Durch hohe Übertragungsspannungen konnten die Leitungsverluste verringert werden.
Tesla war keineswegs der einzige Wissenschaftler oder Ingenieur, der an der Entwicklung der Wechselstromtechnik beteiligt war. Seine Arbeiten an mehrphasigen Systemen und Induktionsmotoren gehörten jedoch zu den wichtigen Beiträgen, die eine breite industrielle Nutzung ermöglichten. Er beschäftigte sich später außerdem mit Hochfrequenzströmen, elektrischen Resonanzerscheinungen und der drahtlosen Übertragung von Signalen und Energie. Sein großes Projekt einer weltweiten drahtlosen Energieübertragung, für das er unter anderem den Wardenclyffe-Turm auf Long Island errichten ließ, blieb unvollendet.
In seiner autobiografischen Artikelserie My Inventions, die 1919 in der amerikanischen Zeitschrift Electrical Experimenter erschien, berichtete Tesla über verschiedene Einflüsse auf seine wissenschaftliche Entwicklung. Seine Mutter spielte dabei eine wichtige Rolle. Sie besaß nach seinen Angaben ein ausgeprägtes handwerkliches Geschick, fertigte zahlreiche Hilfsmittel selbst an und entwickelte praktische Vorrichtungen für den Haushalt. Tesla sah in ihr eine wesentliche Quelle seiner eigenen erfinderischen Begabung.
Auch seine Schulzeit beschrieb er als prägend. Physikalische Demonstrationen und Experimente weckten sein Interesse an Naturwissenschaften und Technik. Die mathematische Beschäftigung mit elektrischen Maschinen führte ihn später zu den theoretischen Grundlagen seiner Erfindungen. In seiner Selbstdarstellung nahm außerdem die Fähigkeit, technische Konstruktionen gedanklich zu entwickeln und zu verändern, breiten Raum ein.
Die Geschichte von Macak entstand als schriftliche Erinnerung zwanzig Jahre nach dieser autobiografischen Artikelserie. Tesla führte darin seine frühe Faszination für Elektrizität auf das Erlebnis mit dem Kater zurück. Dass es unmittelbar zu einer seiner späteren Erfindungen geführt hätte, behauptete er nicht. Zwischen dem kleinen Jungen in Smiljan und dem Elektroingenieur, der in den Vereinigten Staaten zahlreiche Patente anmeldete, lagen Jahrzehnte der Ausbildung, technischen Arbeit und wissenschaftlichen Auseinandersetzung.
Warum ein Elektroautohersteller nach Tesla benannt wurde
Der Name Nikola Tesla ist heute auch Menschen vertraut, die sich nie näher mit der Geschichte der Elektrotechnik beschäftigt haben. Das amerikanische Unternehmen Tesla Motors, inzwischen Tesla, Inc., wurde 2003 gegründet und nach dem Erfinder benannt. Der Bezug lag insbesondere in Teslas Arbeiten am Wechselstrom-Induktionsmotor, auf dessen technischem Prinzip auch der Antrieb des ursprünglichen Tesla Roadsters beruhte.
Im April 2010 erinnerte das Unternehmen während einer internationalen Fahrt mit einem Roadster ausdrücklich an seinen Namensgeber. Die Reise führte unter anderem nach Budapest, wo Tesla nach seiner autobiografischen Darstellung 1882 die entscheidende Idee für einen Motor mit rotierendem Magnetfeld entwickelt hatte. Die damalige Pressemitteilung bezeichnete Nikola Tesla ausdrücklich als Namensgeber des Unternehmens und würdigte seine Leistungen auf dem Gebiet der elektrischen Antriebstechnik.
Die Geschichte von Macak spielte bei dieser Namensgebung keine dokumentierte Rolle. Sie gehört zu Teslas persönlichen Erinnerungen und beschreibt eine frühe Begegnung mit elektrischen Erscheinungen, lange bevor er sich beruflich mit der Entwicklung elektrischer Maschinen beschäftigte.
Ein Kater aus Teslas Kindheit
Über Macaks späteres Leben wissen wir kaum etwas. Tesla berichtete weder, wie alt sein Kater wurde, noch, wann und unter welchen Umständen er starb. Auch unabhängige Beschreibungen des Tieres sind nicht bekannt. Die erhaltenen Informationen stammen aus dem Brief von 1939, dessen verschiedene Veröffentlichungen teilweise im Wortlaut und im Umfang voneinander abweichen.
Tesla lebte während seiner späteren Jahre in verschiedenen New Yorker Hotels. Er hatte nie geheiratet und führte zunehmend ein zurückgezogenes Leben. Seine Zuneigung zu Tieren blieb ihm erhalten. Besonders bekannt wurde seine Beschäftigung mit Tauben, die er regelmäßig fütterte und teilweise auch pflegte. Über einzelne dieser Vögel sprach er mit großer Zuneigung und beschrieb ihre Bedeutung für sein persönliches Leben.
Auch der Brief an Pola Fotic entstand aus einem Gespräch über Katzen. Die junge Frau, die Tesla 1939 kennengelernt hatte, teilte seine Begeisterung für diese Tiere. Seine ausführliche Erinnerung an Macak nahm ihren Ausgang bei einem Kalender aus Jugoslawien, dessen Abbildungen das Haus und die Umgebung seiner Kindheit zeigten. Von dort führte seine Erzählung über das Leben der Familie zu den gemeinsamen Spielen mit dem Kater und schließlich zu jenem Winterabend, an dem er elektrische Funken im Fell beobachtet haben wollte.
Tesla schrieb über das vorsichtige Beißen beim Spielen, die Sprünge über nasse Stellen, Macaks gesträubtes Fell und sein behutsames Kratzen an der Tür. Er erinnerte sich an den Kater, der ihm durch die Umgebung des Pfarrhauses folgte und mit dem er sich im Gras wälzte. Die elektrischen Funken waren nur ein Teil dieser Schilderung. Die übrigen Erinnerungen galten den Gewohnheiten eines Tieres, das zu seinem damaligen Alltag gehört hatte.
Im Sommer 1939 war Nikola Tesla 83 Jahre alt und lebte seit mehr als einem halben Jahrhundert in den Vereinigten Staaten. Von seinem Elternhaus in Smiljan trennten ihn nicht nur Tausende Kilometer, sondern auch die großen Veränderungen der technischen und gesellschaftlichen Welt seit seiner Kindheit. Die Spiele mit Macak lagen fast achtzig Jahre zurück. Dennoch nahm er sich die Zeit, sie in einem langen Brief an eine junge Frau zu beschreiben, die seine Liebe zu Katzen teilte.
Historische und wissenschaftliche Quellen
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Tesla, Nikola (1939). A Story of Youth Told by Age. Brief beziehungsweise autobiografische Erzählung an Pola Fotic, datiert auf den 23. Juli 1939. Zentrale historische Quelle zu Macak. Die verschiedenen veröffentlichten Fassungen sind nicht vollständig wortgleich.
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PBS – A Story of Youth Told by Age: https://www.pbs.org/tesla/ll/story_youth.html
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Tesla Universe – ausführlichere Textfassung: https://teslauniverse.com/nikola-tesla/articles/story-youth-told-age
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Universitätsbibliothek Niš – historische Textfassung (PDF): https://www.ubnt.ni.ac.rs/legacy/images/pdf/Tesla/pdf/1_Autobiografije/1_1_Autobiografije/1939_A_Story%20of_Youth_Told_by_Age.pdf
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Tesla, Nikola (1919). My Inventions. Autobiografische Artikelserie, veröffentlicht in Electrical Experimenter, Februar bis Oktober 1919. Primärquelle zu Teslas Ausbildung, seinen Erfindungen und seiner eigenen Darstellung der Entwicklung seiner wissenschaftlichen Interessen. https://en.wikisource.org/wiki/My_Inventions
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Carlson, W. Bernard (2013). Tesla: Inventor of the Electrical Age. Princeton University Press. Wissenschaftliche Biografie zu Teslas Leben, seinen technischen Entwicklungen und den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen seiner Arbeit.
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England, Sam J. & Robert, Daniel (2022). The ecology of electricity and electroreception. Biological Reviews, 97(1), 383–413. Online erstmals veröffentlicht am 12. Oktober 2021. Übersichtsarbeit zu elektrischen Feldern und Ladungen in der belebten Natur, einschließlich der elektrostatischen Aufladung von Tierfell. https://doi.org/10.1111/brv.12804
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Lacks, Daniel J. & Shinbrot, Troy (2019). Long-standing and unresolved issues in triboelectric charging. Nature Reviews Chemistry, 3, 465–476. Übersichtsarbeit über die Mechanismen der Kontaktelektrisierung und weiterhin offene physikalische Fragen. https://doi.org/10.1038/s41570-019-0115-1
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Usher, Shaun (Hrsg., 2021). Letters of Note: Cats. Chronicle Books. Enthält Teslas Brief an Pola Fotic mit einer historischen Einordnung.
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Tesla Motors (2010). Tesla Roadster World Tour Heads for Hallowed Grounds of Nikola Tesla. Pressemitteilung vom 11. April 2010. Belegt die Benennung des Elektroautoherstellers nach Nikola Tesla. https://ir.tesla.com/press-release/tesla-roadster-world-tour-heads-hallowed-grounds-nikola-tesla
Disclaimer
Der Artikel beruht auf historischen Quellen, insbesondere auf Nikola Teslas autobiografischer Erzählung A Story of Youth Told by Age aus dem Jahr 1939. Seine Schilderungen über den Kater Mačak stammen aus Erinnerungen an die frühe Kindheit, die erst rund achtzig Jahre später niedergeschrieben wurden. Einzelne Angaben lassen sich daher nicht unabhängig überprüfen. Die wissenschaftlichen Erläuterungen zur elektrostatischen Aufladung von Katzenfell stützen sich auf physikalische Fachliteratur. Die begleitenden Bilder sind KI-generierte historische Illustrationen und stellen weder authentische Fotografien noch dokumentarisch genaue Rekonstruktionen dar. Das tatsächliche Aussehen von Mačak ist nicht überliefert.