Ernährung von Katzen: Was ist gut, was ist schlecht?

Update September 2026

Autor: Corina Käsler, Geschäftsführerin Katzengesellschaft

Kaum ein Thema wird unter Katzenhaltern so leidenschaftlich diskutiert wie das Futter. Rohes Fleisch gilt den einen als besonders artgerecht, andere schwören auf hochwertiges Nassfutter, wieder andere achten vor allem auf Fleischanteil, Getreidefreiheit oder die Zutatenliste. Gleichzeitig wächst das Angebot: BARF, Frostmäuse, Monoprotein, Filetmenüs, getreidefreie Rezepturen, Trockenfutter mit hohem Fleischanteil und Spezialfutter für nahezu jede Lebenslage. Die Auswahl wird größer – die Orientierung nicht unbedingt leichter.

Katzen stellen besondere Anforderungen an ihre Ernährung. Sie sind obligate Karnivoren: Ihr Stoffwechsel ist evolutionär auf eine Ernährung mit tierischem Gewebe spezialisiert, und bestimmte Nährstoffe müssen sie zwingend über die Nahrung aufnehmen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede pflanzliche Zutat ungeeignet wäre oder Katzen Kohlenhydrate grundsätzlich nicht verwerten könnten. Entscheidend ist vielmehr, ob eine Ernährung alle notwendigen Nährstoffe in ausreichender Menge und im richtigen Verhältnis liefert.

Dieser Artikel versucht deshalb nicht, eine bestimmte Fütterungsform zum Gewinner zu erklären. Er untersucht vielmehr, was die Ernährungswissenschaft über Nass- und Trockenfutter, Rohfütterung, selbstgekochte Rationen und ganze Beutetiere tatsächlich sagt, welche Risiken real sind und welche vor allem aus Marketing oder vereinfachten Ernährungsregeln entstehen. Im Mittelpunkt steht die Frage, woran sich eine bedarfsgerechte, sichere und langfristig gesunde Ernährung für Katzen wirklich erkennen lässt.

Hauskatze sitzt vor drei Näpfen mit Fleisch, Nassfutter und Schokolade – Symbol für gesunde und ungesunde Katzenernährung.

„Nicht alles, was für uns gesund klingt, ist auch gut für Katzen.“ - Katzengesellschaft

DIE GRUNDLAGEN: WAS „OBLIGATER KARNIVORE“ WIRKLICH BEDEUTET

Die Hauskatze ist ein obligater Karnivore. Das heißt nicht, dass in ihrem Napf ausschließlich Fleisch liegen darf. Es bedeutet, dass sich ihr Stoffwechsel an eine Ernährung angepasst hat, die über Millionen Jahre vor allem aus Beutetieren bestand. Daraus sind Besonderheiten entstanden, die bis heute bestehen: Katzen benötigen vergleichsweise viel Protein und sind bei mehreren Aminosäuren, Fettsäuren und Vitaminen stärker auf die direkte Aufnahme über die Nahrung angewiesen als viele andere Säugetiere. Eine Katze kann deshalb durchaus Bestandteile pflanzlicher Herkunft verdauen – sie kann aber nicht beliebig auf Nährstoffe verzichten, die ihr natürlicherweise tierisches Gewebe liefert.

Besonders deutlich wird diese Spezialisierung bei Taurin und Arginin. Taurin kann die Katze nicht in ausreichender Menge selbst bilden. Fehlt es über längere Zeit, können unter anderem die Netzhaut und der Herzmuskel geschädigt werden. Der Zusammenhang zwischen Taurinmangel und dilatativer Kardiomyopathie wurde in den 1980er-Jahren erkannt und führte dazu, dass Alleinfuttermittel für Katzen heute gezielt ausreichend Taurin enthalten müssen. Noch unmittelbarer ist die Abhängigkeit von Arginin: Diese Aminosäure spielt eine zentrale Rolle bei der Entgiftung von Ammoniak im Harnstoffzyklus. Schon eine einzige stark argininarme Mahlzeit kann bei einer Katze zu einem gefährlichen Anstieg des Ammoniakspiegels im Blut führen. Solche Besonderheiten erklären, warum bei Katzen nicht allein die Menge an Fleisch zählt, sondern die Versorgung mit den richtigen Nährstoffen.

Auch bei Fettsäuren und Vitaminen zeigt sich die besondere Stoffwechsellage der Katze. Arachidonsäure kann sie nicht in ausreichender Menge aus Linolsäure bilden; vorgeformtes Vitamin A kann sie nicht wie viele andere Säugetiere zuverlässig aus Beta-Carotin gewinnen. Beide müssen deshalb über die Nahrung verfügbar sein. Bei Kohlenhydraten ist die Situation anders: Sie sind für Katzen nicht essenziell, können in geeigneter Form aber durchaus verdaut und als Energiequelle genutzt werden. Die verbreitete Annahme, Kohlenhydrate machten Katzen grundsätzlich dick oder verursachten Diabetes, wird durch die heutige Studienlage nicht gestützt. Entscheidend ist vor allem, wie viel Energie eine Katze insgesamt aufnimmt und wie diese Ernährung zu ihrem individuellen Stoffwechsel und Gesundheitszustand passt.

Damit wird auch deutlich, warum sich die Qualität eines Katzenfutters nicht allein am Fleischanteil oder an einzelnen Zutaten ablesen lässt. Entscheidend ist, ob die gesamte Ration den Bedarf an Energie, Protein, essenziellen Aminosäuren, Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen deckt – und zwar in den richtigen Mengen und Verhältnissen. Ein Futter mit sehr hohem Fleischanteil kann unausgewogen sein, während eine Rezeptur mit weniger spektakulärer Zutatenliste vollständig bedarfsdeckend sein kann. Für die Katze zählt am Ende nicht das Etikett, sondern das Nährstoffprofil der gesamten Nahrung.

Barfen – Rohfütterung zwischen Anspruch und Risiko

Katze vor verschiedenen Zutaten einer BARF-Ration mit rohem Fleisch, Innereien, Supplementen und Küchenwaage.

Kaum eine Fütterungsform wird so stark mit dem Begriff „natürlich“ verbunden wie BARF. Die Idee wirkt zunächst überzeugend: Eine Katze ist ein Beutegreifer, also müsste rohes Fleisch ihrer ursprünglichen Ernährung besonders nahekommen. Doch zwischen einem Beutetier und einem Stück Muskelfleisch liegt ernährungsphysiologisch ein erheblicher Unterschied. Und auch „roh“ ist noch kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend bleibt, ob die gesamte Ration den Nährstoffbedarf der Katze deckt. Einen überzeugenden wissenschaftlichen Nachweis, dass ausgewogene Rohfütterung gesünder ist als eine ausgewogene gekochte oder kommerzielle Ernährung, gibt es bislang nicht.

Ein Beutetier besteht nicht nur aus Muskelfleisch. Knochen, Organe, Fettgewebe und andere Bestandteile liefern Nährstoffe, die in Hühnerbrust oder Rinderhack allein nicht in ausreichender Menge vorhanden sind. Genau deshalb ist eine Rohfütterung aus einigen beliebig zusammengestellten Fleischsorten noch keine ausgewogene Katzenernährung. Um den Bedarf dauerhaft zu decken, müssen unter anderem Kalzium und Phosphor, Spurenelemente, Vitamine, essenzielle Fettsäuren und Taurin in passenden Mengen vorhanden sein. Selbst das Vorbild „Beutetier“ ist dabei weniger perfekt, als es zunächst klingt: Die Nährstoffzusammensetzung ganzer Futtertiere schwankt je nach Tierart, Alter und Aufzucht erheblich. Natürlich zusammengesetzt bedeutet deshalb nicht automatisch bedarfsdeckend.

Gerade bei selbst zusammengestellten Rationen zeigt sich, wie anspruchsvoll diese Balance ist. Muskelfleisch enthält viel Phosphor, aber nur wenig Kalzium; ohne einen gezielten Ausgleich kann sich deshalb ein ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis entwickeln. Auch Taurin, Jod, Zink, Kupfer, Vitamin D und essenzielle Fettsäuren können je nach Auswahl und Zusammensetzung der Zutaten zu knapp oder im Übermaß vorhanden sein. Das Problem liegt dabei nicht grundsätzlich im rohen Fleisch, sondern in der Annahme, eine abwechslungsreiche Mischung verschiedener Fleischstücke werde den Bedarf schon automatisch decken. Genau das lässt sich ohne Berechnung nicht zuverlässig beurteilen.

Supplemente können bei selbst zusammengestellten Roh-Rationen notwendig sein – aber nicht nach dem Prinzip „von allem etwas“. Welche Nährstoffe ergänzt werden müssen und in welcher Menge, hängt von der gesamten Rezeptur ab. Besonders bei Jod sowie den fettlöslichen Vitaminen A und D liegt zwischen ausreichender Versorgung und Überversorgung nicht immer ein großer Spielraum. Deshalb sollte eine dauerhaft gefütterte BARF-Ration berechnet und regelmäßig überprüft werden, idealerweise anhand eines von einer tierärztlichen Ernährungsberatung erstellten oder kontrollierten Plans. Mehr Zusätze bedeuten nicht automatisch eine bessere Versorgung.

Auch die Herkunft des Fleisches spielt eine Rolle. Deutschland gilt seit 2003 als frei von der Aujeszkyschen Krankheit in der Hausschweinepopulation. Bei Wildschweinen zirkuliert das Virus jedoch weiterhin. Für Katzen kann eine Infektion tödlich verlaufen. Rohes Wildschweinfleisch oder Innereien aus nicht kontrollierter Herkunft gehören deshalb nicht in den Futternapf. Bei anderem Rohfleisch stehen weniger einzelne Tierarten als vielmehr Herkunft, Kühlkette und hygienischer Umgang im Vordergrund.

Rohfütterung birgt neben möglichen Fehlern in der Nährstoffversorgung auch ein hygienisches Risiko. Da das Futter nicht erhitzt wird, können Krankheitserreger erhalten bleiben. In rohen Futtermitteln wurden unter anderem Salmonellen, Escherichia coli und Listerien nachgewiesen; neuere Untersuchungen fanden zudem häufiger Bakterien mit Antibiotikaresistenzen beziehungsweise entsprechende Resistenzgene. Katzen müssen daran nicht selbst erkranken, können solche Erreger aber aufnehmen und über Kot, Näpfe, Oberflächen oder engen Kontakt in ihrer Umgebung verbreiten. Besondere Bedeutung hat das in Haushalten mit kleinen Kindern, älteren oder immungeschwächten Menschen. Hinzu kommt seit den H5N1-Ausbrüchen ein weiteres Risiko: Rohes Geflügel und andere rohe tierische Produkte können bei Katzen auch als Infektionsquelle für hochpathogene aviäre Influenzaviren eine Rolle spielen.

BARF ist damit weder grundsätzlich ungeeignet noch automatisch besonders gesund. Eine korrekt berechnete Roh-Ration kann den Nährstoffbedarf einer Katze decken. Sie verlangt jedoch mehr Wissen, Kontrolle und Hygiene als das bloße Zusammenstellen verschiedener Fleischsorten. Für einen gesundheitlichen Vorteil gegenüber einem ausgewogenen gekochten oder kommerziellen Alleinfutter gibt es bislang keinen überzeugenden Nachweis. Wer sich für Rohfütterung entscheidet, sollte deshalb nicht auf das Argument „natürlich“ vertrauen, sondern auf eine überprüfbare Nährstoffversorgung und einen sorgfältigen Umgang mit den hygienischen Risiken.

Frostmäuse – das Beutetier im Tiefkühlschrank

Frostmäuse kommen der natürlichen Nahrung einer Katze tatsächlich näher als ein Stück Muskelfleisch: Mit Knochen, Organen, Fettgewebe und anderen Geweben liefern sie ein deutlich breiteres Spektrum an Nährstoffen. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede Maus automatisch ein vollständiges und dauerhaft ausgewogenes Katzenfutter ist. Untersuchungen ganzer Futtertiere zeigen erhebliche Unterschiede in ihrer Zusammensetzung – abhängig unter anderem von Tierart, Alter und Aufzucht. Bei einzelnen Nährstoffen können die Gehalte auch unter den für Katzen empfohlenen Mengen liegen. Die Maus ist damit ein interessantes Modell für die natürliche Ernährung der Katze, aber kein ernährungswissenschaftlicher Garant für perfekte Bedarfsdeckung.

Neben der Nährstoffversorgung verändert ein ganzes Beutetier auch die Art der Futteraufnahme. Eine Katze muss die Maus festhalten, bearbeiten, zerlegen und kauen – Verhaltensweisen, die bei Futter aus Napf oder Dose kaum gefordert werden. Solche Formen der futterbezogenen Beschäftigung können insbesondere Wohnungskatzen Gelegenheit geben, Teile ihres natürlichen Such- und Beuteverhaltens auszuleben. Ob gerade Frostmäuse dadurch messbar Stress reduzieren oder das Wohlbefinden langfristig verbessern, ist allerdings kaum untersucht. Als Beschäftigung können sie interessant sein; ein wissenschaftlich belegter therapeutischer Effekt lässt sich daraus nicht ableiten.

Tiefkühlen beseitigt nicht automatisch alle hygienischen Risiken. Bestimmte Parasitenstadien, darunter Gewebezysten von Toxoplasma gondii, können durch ausreichend tiefe Temperaturen abgetötet werden. Für Bakterien gilt das jedoch nicht in gleicher Weise: Salmonellen, Escherichia coli und andere Keime können auch in gefrorenem Rohfutter überleben. Frostmäuse sollten deshalb aus kontrollierter Futtertierzucht stammen und hygienisch genauso behandelt werden wie anderes rohes tierisches Material. Selbst gefangene Wildmäuse sind keine geeignete Alternative – ihr Infektions-, Parasiten- und gegebenenfalls auch Vergiftungsrisiko lässt sich weder zuverlässig einschätzen noch kontrollieren.

Bei Frostmäusen kommt außerdem eine ethische Frage hinzu, die bei verarbeitetem Fleisch leicht aus dem Blick gerät: Für diese Form der Fütterung werden ganze Tiere gezüchtet und getötet. Manche Halter empfinden das als besonders belastend, weil das Futtertier als Tier erkennbar bleibt. Andere sehen darin keinen grundsätzlichen Unterschied zu Fleisch, das für Dosen- oder Rohfutter verarbeitet wird. Die moralische Bewertung hängt deshalb weniger von der Ernährung der Katze ab als davon, wie Menschen den Umgang mit Nutztieren und Futtertieren beurteilen.

Frostmäuse können damit eine ernährungsphysiologisch interessante und verhaltensnahere Fütterungsform sein, sind aber weder automatisch vollständig bedarfsdeckend noch frei von hygienischen Risiken. Als gelegentliche Ergänzung oder Teil eines fachkundig geplanten Fütterungskonzepts können sie sinnvoll sein. Als alleinige Dauerernährung sollten sie dagegen nicht allein mit dem Argument gerechtfertigt werden, dass sie der natürlichen Beute entsprechen.

Selbstgekochtes – Fürsorge mit Nebenwirkungen

Selbst für die Katze zu kochen wirkt zunächst wie die kontrollierbarste Form der Fütterung: Man kennt jede Zutat, kann Vorlieben berücksichtigen und die Zusammensetzung theoretisch sehr genau an ein einzelnes Tier anpassen. Genau darin liegt tatsächlich ein möglicher Vorteil – etwa bei Katzen mit mehreren Erkrankungen oder speziellen Unverträglichkeiten, für die kein passendes Fertigfutter existiert. Problematisch wird es jedoch, wenn aus „selbstgekocht“ automatisch „ausgewogen“ wird. Eine Mahlzeit aus Fleisch, Fisch und einigen Beilagen kann hochwertig wirken und trotzdem wesentliche Nährstoffe zu wenig oder in einem ungünstigen Verhältnis enthalten.

Das eigentliche Problem ist dabei weniger der Kochtopf als die Rezeptur. Reines Muskelfleisch liefert beispielsweise viel Phosphor, aber nur wenig Kalzium; andere Nährstoffe können ebenfalls fehlen, obwohl die Mahlzeit auf den ersten Blick abwechslungsreich wirkt. Untersuchungen veröffentlichter Rezepte für selbst zubereitetes Katzenfutter fanden besonders häufig eine unzureichende Versorgung mit einzelnen Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen. Eine dauerhaft gefütterte selbstgekochte Ration muss deshalb genauso präzise zusammengesetzt sein wie jedes andere Alleinfutter. „Frisch zubereitet“ ist kein Ersatz für eine berechnete Nährstoffversorgung.

Auch Fisch ist nicht grundsätzlich problematisch – auf die Zusammensetzung der gesamten Ration kommt es an. Viele Fischarten liefern hochwertige Proteine und langkettige Omega-3-Fettsäuren. Werden jedoch über längere Zeit große Mengen fettreichen Fischs gefüttert, ohne dass gleichzeitig ausreichend Vitamin E vorhanden ist, kann sich eine Pansteatitis entwickeln, eine schmerzhafte Entzündung des Fettgewebes. Beschrieben wurde dieses Krankheitsbild unter anderem bei Katzen, die überwiegend Thunfisch oder andere fettreiche Fischprodukte erhielten. Fisch kann deshalb Teil einer ausgewogenen Ernährung sein, sollte aber nicht mit einer ausgewogenen Ernährung gleichgesetzt werden.

Auch beim Fettgehalt lohnt sich eine differenzierte Betrachtung. Zu mager darf eine Ration nicht sein, weil Fett ein wichtiger Energieträger ist und essenzielle Fettsäuren liefert. Umgekehrt gibt es bei Katzen bislang keinen überzeugenden Nachweis dafür, dass eine fettreiche Ernährung allein eine Pankreatitis verursacht. Entscheidend bleibt deshalb die gesamte Zusammensetzung und der Energiegehalt der Ration. Auch pflanzliche Bestandteile sind nicht automatisch überflüssig: Bestimmte Ballaststoffe können die Darmfunktion, die Kotkonsistenz und das Darmmikrobiom beeinflussen. Gemüse ist für Katzen zwar keine notwendige Grundlage der Ernährung, kann in sinnvoll gewählten Mengen aber durchaus eine funktionelle Rolle spielen.

Selbstgekochtes Futter kann deshalb eine gute und sehr individuell anpassbare Ernährungsform sein. Seine Qualität hängt jedoch nicht davon ab, dass die Zutaten frisch oder selbst ausgewählt sind, sondern davon, ob die Ration den Nährstoffbedarf der Katze vollständig und dauerhaft deckt. Wer über längere Zeit selbst kochen möchte, sollte sich deshalb nicht auf Rezepte aus dem Internet oder auf Augenmaß verlassen, sondern die Zusammensetzung fachkundig berechnen lassen und bei Veränderungen von Gewicht, Alter oder Gesundheitszustand erneut überprüfen.

Supermarkt oder Premium – mehr als ein Preisschild

Katze betrachtet verschiedene Futternäpfe mit Nassfutter, Trockenfutter und rohem Fleisch.

Bei Fertigfutter beginnt die Verwirrung oft schon auf der Verpackung. „Premium“, „natürlich“, „getreidefrei“, „mit 70 Prozent Fleisch“ oder „Filetqualität“ klingen nach Qualitätsmerkmalen, sagen für sich genommen aber wenig darüber aus, ob ein Futter die Katze bedarfsgerecht versorgt. Auch der Preis ist kein verlässlicher Maßstab. Ein teures Futter kann ernährungsphysiologisch unausgewogen sein, während ein deutlich günstigeres Produkt alle notwendigen Nährstoffe in geeigneter Menge enthalten kann. Entscheidend ist deshalb nicht, wie hochwertig ein Futter für Menschen klingt, sondern was es der Katze tatsächlich liefert.

Auch die Zutatenliste wird häufig überinterpretiert. Getreide, Soja oder andere pflanzliche Bestandteile sind nicht automatisch billige Füllstoffe, ebenso wenig sind „tierische Nebenerzeugnisse“ grundsätzlich minderwertig. Zu diesen können nährstoffreiche Organe wie Leber oder Niere gehören. Entscheidend ist nicht, ob eine Zutat für Menschen appetitlich klingt, sondern welche Nährstoffe sie liefert, wie gut sie verarbeitet und verträglich ist und wie sie in die gesamte Rezeptur eingebunden wird. Eine Zutatenliste kann Hinweise geben – sie erlaubt aber keine verlässliche Rangliste von gutem und schlechtem Katzenfutter.

Wichtiger als Begriffe wie „Premium“ oder ein möglichst hoher Fleischanteil ist zunächst eine unscheinbare Angabe auf dem Etikett: Handelt es sich um ein Alleinfuttermittel oder um ein Ergänzungsfuttermittel? Ein Alleinfuttermittel ist so zusammengesetzt, dass es bei bestimmungsgemäßer Fütterung den täglichen Nährstoffbedarf der jeweiligen Tierart und Lebensphase decken soll. Ein Ergänzungsfuttermittel erfüllt diesen Anspruch gerade nicht. Das ist besonders bei Produkten relevant, die fast ausschließlich aus Filet oder Fleischstücken bestehen und auf den ersten Blick besonders hochwertig wirken. Für die Beurteilung eines Fertigfutters zählen darüber hinaus die ernährungswissenschaftliche Kompetenz hinter der Rezeptur, verlässliche Qualitätskontrollen und die Frage, ob nicht nur die Zutaten, sondern auch das fertige Produkt auf seine Nährstoffzusammensetzung geprüft wird.

Auch die häufige Regel „Fleisch muss an erster Stelle stehen“ führt nur begrenzt weiter. Zutaten werden nach ihrem Gewicht vor der Verarbeitung aufgeführt, und wasserreiche frische Zutaten erscheinen dadurch schnell weit oben auf der Liste. Daraus lässt sich weder ihr tatsächlicher Anteil an den Nährstoffen des fertigen Futters noch deren Verfügbarkeit für die Katze zuverlässig ableiten. Ein hoher Fleischanteil kann sinnvoll sein, ist für sich genommen aber kein Qualitätsbeweis. Entscheidend bleibt, ob das fertige Futter vollständig bedarfsdeckend ist und die enthaltenen Nährstoffe in geeigneter Menge und Form zur Verfügung stehen.

Einen klareren Unterschied gibt es beim Wassergehalt. Katzen decken einen erheblichen Teil ihres Flüssigkeitsbedarfs über die Nahrung. Bei Trockenfutter trinken sie zwar zusätzlich, gleichen den geringeren Wassergehalt des Futters aber häufig nicht vollständig aus; ihre Gesamtwasseraufnahme ist im Durchschnitt niedriger und der Urin stärker konzentriert. Gerade bei Katzen mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Erkrankungen der unteren Harnwege kann eine feuchtere Ernährung deshalb von Vorteil sein. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Trockenfutter grundsätzlich krank macht oder Nassfutter vor Harnwegserkrankungen schützt. Erkrankungen der unteren Harnwege haben unterschiedliche Ursachen, und die Ernährung ist nur ein Teil des Gesamtbildes.

Gourmetzutaten – für die Katze oder für den Menschen?

Thunfisch mit Garnelen, Hühnerfilet mit Kürbis, Lachs mit Karotte: Manche Katzenfutter sind so inszeniert, dass sie eher an ein menschliches Feinschmeckermenü erinnern als an Tiernahrung. Das ist Marketing mit vertrauten Bildern. „Filet“, sichtbare Fleischstücke, Gemüse und Zutaten, die auch auf einer Speisekarte gut klingen würden, vermitteln Qualität, Frische und Fürsorge. Für die ernährungsphysiologische Bewertung sind solche Signale jedoch erstaunlich unergiebig. Eine Schale mit erkennbaren Filetstücken kann ein ausgewogenes Alleinfuttermittel sein – oder lediglich ein Ergänzungsfutter, das allein den Bedarf der Katze gerade nicht deckt. Die Optik sagt darüber fast nichts.

Thunfisch ist dafür ein gutes Beispiel. Viele Katzen reagieren ausgesprochen stark auf seinen Geruch und Geschmack; neuere Untersuchungen zeigen, dass ihr Geschmackssystem besonders empfindlich auf bestimmte Umami-Verbindungen reagiert, die in Thunfisch reichlich vorkommen. Ernährungsphysiologisch ist Thunfisch deshalb weder besonders wertvoll noch grundsätzlich problematisch. Als Bestandteil eines ausgewogenen Alleinfutters kann er problemlos eingesetzt werden. Eine Ernährung, die dagegen überwiegend aus Thunfisch besteht, ist unausgewogen und kann langfristig zu Nährstoffmängeln führen. Auch Quecksilber kommt in Thunfisch vor, doch Untersuchungen kommerzieller Katzenfutter zeigen nicht, dass übliche thunfischhaltige Alleinfuttermittel deshalb grundsätzlich ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Auch Gemüse ist nicht einfach nur Dekoration. Katzen benötigen weder Karotten noch Kürbis, um ihren Nährstoffbedarf zu decken, doch bestimmte pflanzliche Bestandteile können funktionelle Aufgaben übernehmen. Vor allem Ballaststoffe beeinflussen je nach Art und Menge die Kotkonsistenz, die Darmbewegung und das Darmmikrobiom. Ein Stück Karotte macht ein Futter deshalb nicht automatisch gesünder – genauso wenig ist eine pflanzliche Zutat allein ein Zeichen für minderwertiges Katzenfutter. Entscheidend bleibt ihre Funktion innerhalb der gesamten Rezeptur.

Beim Kauf lohnt sich deshalb ein anderer Blick auf solche Produkte. Ob auf der Vorderseite Garnelen, Filet oder Kürbis abgebildet sind, ist für die Nährstoffversorgung zunächst zweitrangig. Wichtiger ist die unscheinbarere Angabe auf der Rückseite: Handelt es sich um ein Alleinfuttermittel für die passende Lebensphase oder um ein Ergänzungsfuttermittel? Im ersten Fall können auch ausgesprochen „gourmethafte“ Zutaten Teil einer vollständig zusammengesetzten Nahrung sein. Im zweiten Fall macht selbst das schönste Filet aus dem Produkt keine vollständige Mahlzeit. Diese Unterscheidung ist für die Katze wichtiger als alles, was auf der Vorderseite appetitlich aussieht.

Giftig – zwischen Krümel und Katastrophe

Katze vor verschiedenen Lebensmitteln wie Schokolade, Zwiebeln, Knoblauch und Trauben.

Beim Wort „giftig“ entsteht schnell der Eindruck einer klaren Grenze: Ein Lebensmittel ist entweder gefährlich oder harmlos. Toxikologisch funktioniert es meist nicht so einfach. Entscheidend sind die Substanz, ihre Konzentration, die aufgenommene Menge, das Körpergewicht der Katze und teilweise auch individuelle Unterschiede. Bei manchen Stoffen kann bereits eine relativ kleine Menge relevant sein, bei anderen führt erst eine deutlich höhere Dosis zu klinischen Symptomen. Deshalb ist weder „ein Krümel ist sofort tödlich“ noch „ein bisschen wird schon nichts machen“ eine besonders gute Regel.

Schokolade gehört trotzdem zu den Lebensmitteln, die für Katzen nicht zugänglich sein sollten. Verantwortlich sind vor allem Theobromin und Koffein, zwei sogenannte Methylxanthine, die unter anderem das Herz-Kreislauf- und Nervensystem beeinflussen. Wie riskant eine Aufnahme ist, hängt stark von der Schokoladensorte und der gefressenen Menge ab: Kakaopulver und dunkle Schokolade enthalten wesentlich höhere Konzentrationen als Milchschokolade, weiße Schokolade dagegen kaum relevante Mengen. Erbrechen, Unruhe, Herzrhythmusstörungen, Zittern und Krampfanfälle gehören zu den möglichen Symptomen einer Vergiftung. Eine belastbare Menge, unterhalb der Schokolade bei Katzen grundsätzlich als harmlos gelten kann, lässt sich jedoch nicht angeben.

Zwiebeln, Knoblauch, Lauch und Schnittlauch gehören zur Gattung Allium und sind für Katzen deutlich problematischer. Ihre schwefelhaltigen Verbindungen können die roten Blutkörperchen oxidativ schädigen und eine hämolytische Anämie auslösen. Katzen gelten dabei als besonders empfindlich. Entscheidend ist außerdem, dass Kochen oder Trocknen die Gefahr nicht zuverlässig beseitigen: Auch gegarte Zwiebeln, Zwiebelpulver oder konzentrierte Gewürzmischungen können relevant sein. Die Symptome treten häufig nicht sofort auf, sondern entwickeln sich erst nach ein bis mehreren Tagen – etwa Schwäche, blasse Schleimhäute, schnelle Atmung oder dunkler Urin.

Bei Trauben und Rosinen ist die Datenlage für Katzen deutlich dünner. Bei Hunden ist gut belegt, dass sie in manchen Fällen akute Nierenschäden auslösen können; als wahrscheinlicher Auslöser gilt inzwischen die enthaltene Weinsäure. Für Katzen existieren dagegen nur sehr wenige Berichte, und eine verlässliche toxische Dosis ist nicht bekannt. Daraus lässt sich weder schließen, dass Trauben und Rosinen für Katzen sicher sind, noch dass bereits eine einzelne Rosine zwangsläufig eine Vergiftung verursacht. Vorsicht ist deshalb sinnvoll – dramatische Grenzangaben sind wissenschaftlich aber nicht gerechtfertigt.

Auch Alkohol und Koffein gehören nicht in Reichweite einer Katze. Alkohol wird schnell aufgenommen und dämpft das zentrale Nervensystem; je nach Menge können Erbrechen, Koordinationsstörungen, Unterkühlung, Unterzuckerung, Atemprobleme und in schweren Fällen Krampfanfälle oder Koma auftreten. Koffein wirkt in die andere Richtung: Es stimuliert Nervensystem und Herz und kann Unruhe, Herzrasen, Zittern und Krampfanfälle verursachen. Entscheidend ist auch hier die Dosis. Die pauschale Aussage, bereits wenige Tropfen seien zwangsläufig giftig, wäre ebenso falsch wie die Annahme, kleine Mengen seien grundsätzlich harmlos.

Nicht jedes ernährungsbedingte Risiko ist eine klassische Vergiftung. Ein bekanntes Beispiel ist Vitamin A: Katzen können vorgeformtes Vitamin A nicht beliebig abbauen. Werden über längere Zeit sehr große Mengen Leber oder stark vitamin-A-reiche Rationen gefüttert, kann eine Hypervitaminose A entstehen. Typisch sind knöcherne Veränderungen vor allem an Hals- und Brustwirbelsäule, Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit. Bei Salz ist die Situation dagegen differenzierter, als oft behauptet wird. Für gesunde Katzen gibt es keine gute Evidenz dafür, dass eine moderat erhöhte Natriumzufuhr grundsätzlich Herz oder Nieren schädigt. Stark gesalzene menschliche Lebensmittel wie Wurst oder Käse sind trotzdem kein sinnvolles Katzenfutter – nur ist „Salz schädigt die Nieren“ dafür nicht die richtige Begründung.

Auch Knochen sind nicht giftig, können aber gefährlich werden. Besonders gekochte Knochen werden spröde und können splittern; Bruchstücke können im Maul oder in der Speiseröhre stecken bleiben, den Magen-Darm-Trakt verletzen oder einen Darmverschluss verursachen. Auch rohe Knochen sind nicht risikofrei: Sie können Zähne beschädigen, zu Verstopfung führen oder ebenfalls im Verdauungstrakt stecken bleiben. Knochen sind deshalb kein unkompliziertes Mittel, um einer selbst zusammengestellten Ration Kalzium hinzuzufügen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob etwas „giftig“ ist, sondern was die Katze aufgenommen hat, in welcher Menge und Konzentration und wie lange die Aufnahme zurückliegt. Manche Vergiftungen zeigen sich schnell, andere erst Stunden oder Tage später. Bei einem begründeten Verdacht auf eine problematische Substanz sollte deshalb nicht erst auf Symptome gewartet werden, sondern frühzeitig tierärztlicher Rat eingeholt werden. Von Hausmitteln und dem eigenständigen Versuch, Erbrechen auszulösen, ist abzuraten. Gerade in der Toxikologie kann schnelles Handeln wichtig sein – aber es sollte das richtige Handeln sein.

Mythen und Missverständnisse

Ein verbreiteter Satz lautet, Katzen bräuchten möglichst viel Abwechslung im Napf. Dafür gibt es keinen ernährungsphysiologischen Grund. Solange ein Futter den Bedarf deckt und gut vertragen wird, muss es nicht regelmäßig durch neue Sorten ersetzt werden. Allerdings sind Katzen auch nicht grundsätzlich Gegner jeder Veränderung. Manche interessieren sich stark für unbekanntes Futter, andere reagieren darauf mit ausgeprägter Vorsicht. Was eine Katze akzeptiert, hängt erheblich von ihren bisherigen Erfahrungen, Geruch, Geschmack und Konsistenz ab. Ein Futterwechsel sollte deshalb nicht zum Selbstzweck werden – wenn er notwendig oder gewünscht ist, ist ein schrittweiser Übergang meist sinnvoller als ein abrupter Wechsel.

Auch der Satz „Trockenfutter reinigt die Zähne“ ist weder ganz richtig noch ganz falsch. Gewöhnliche Kroketten ersetzen keine Zahnpflege, und viele Katzen zerbeißen sie nur kurz oder schlucken kleinere Stücke. Trotzdem zeigen Studien, dass die Fütterungsform einen Einfluss auf Zahnstein und Zahnfleischentzündungen haben kann: Katzen mit Trockenfutter schneiden bei einigen Parametern besser ab als Katzen mit ausschließlicher Nassfütterung. Besonders deutlich ist der Effekt bei speziell konstruierten Dentalfuttern, deren Größe, Struktur oder Zusammensetzung auf eine mechanische oder chemische Plaque- und Zahnsteinreduktion ausgerichtet ist. Trockenfutter ist deshalb keine Zahnbürste – aber die Behauptung, es könne grundsätzlich nichts zur Zahngesundheit beitragen, ist ebenfalls zu einfach.

Auch die Vorstellung, Katzen würden instinktiv erkennen, was ihnen guttut und was ihnen schadet, hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Katzen treffen ihre Futterwahl stark nach Geruch, Geschmack, Konsistenz, Gewohnheit und früheren Erfahrungen. Sie können unbekanntes Futter meiden und nach einer unangenehmen Erfahrung eine dauerhafte Abneigung gegen eine bestimmte Nahrung entwickeln. Daraus folgt aber kein verlässlicher „Ernährungsinstinkt“. Eine Katze kann Futter bevorzugen, das langfristig unausgewogen ist, und sie erkennt weder einen Taurinmangel noch einen zu hohen Energiegehalt zuverlässig. Selektives Fressen ist deshalb kein Ersatz für eine bedarfsgerechte Fütterung.

WIE VIEL IST GENAUSO WICHTIG WIE WAS – ENERGIE, GEWICHT UND PORTIONEN

Katze neben einer Body-Condition-Score-Grafik zur Beurteilung des Körpergewichts.

Die Diskussion über gutes Katzenfutter dreht sich erstaunlich oft um Fleischanteil, Getreide, Zucker oder einzelne Zutaten. Ein wesentlich größerer Gesundheitsfaktor kann dabei leicht übersehen werden: die Menge. Auch ein ernährungsphysiologisch ausgezeichnetes Alleinfuttermittel wird zum Problem, wenn eine Katze dauerhaft mehr Energie aufnimmt, als sie verbraucht. Übergewicht ist deshalb keine Frage von „gutem“ oder „schlechtem“ Futter allein, sondern das Ergebnis einer längerfristig positiven Energiebilanz. Welche Futtermenge dafür passend ist, lässt sich nicht allein aus dem Körpergewicht ableiten – Alter, Aktivität, Körperzusammensetzung, Haltung und Kastrationsstatus verändern den tatsächlichen Energiebedarf erheblich.

Besonders aufmerksam sollte die Gewichtsentwicklung nach der Kastration beobachtet werden. In dieser Phase kann der Energiebedarf sinken, während bei manchen Katzen gleichzeitig der Appetit zunimmt – eine Kombination, die eine Gewichtszunahme begünstigt, wenn die bisherige Futtermenge unverändert bleibt. Gerade junge Katzen sind dabei leicht zu unterschätzen: Sie wachsen noch, brauchen also weiterhin ausreichend Energie und Nährstoffe, gleichzeitig steigt nach der Kastration das Risiko, zu viel Körperfett anzusetzen. Statt die Portion vorsorglich nach einer festen Prozentzahl zu kürzen, ist es sinnvoller, Körpergewicht und Körperkondition regelmäßig zu kontrollieren und die Futtermenge daran anzupassen.

Ob eine Katze die richtige Menge Futter bekommt, lässt sich deshalb besser am Tier selbst beurteilen als allein an einer Grammzahl auf der Verpackung. Neben dem regelmäßigen Wiegen hilft der sogenannte Body Condition Score: Dabei werden unter anderem Taille, Rippen und Fettpolster beurteilt. Bei einer idealen Körperkondition sind die Rippen gut tastbar, aber nicht stark sichtbar, und von oben ist hinter dem Brustkorb eine leichte Taille erkennbar. Fütterungsempfehlungen des Herstellers können einen sinnvollen Ausgangspunkt liefern, sind aber keine individuelle Dosieranweisung. Bleibt das Gewicht nicht stabil oder verändert sich die Körperkondition, muss die Menge angepasst werden.

Auch kleine Extras zählen. Leckerli, Schlecksnacks, Käse, Wurst oder ein zusätzlicher Löffel Futter wirken einzeln unbedeutend, können sich über den Tag aber zu einer erheblichen Energiemenge summieren. Besonders bei kleinen Katzen fallen wenige zusätzliche Kalorien stärker ins Gewicht, als man intuitiv vermuten würde. Snacks sollten deshalb nicht zusätzlich zur berechneten Tagesration gedacht werden, sondern als Teil davon. Je mehr Extras gefüttert werden, desto weniger Spielraum bleibt für ein vollständig ausgewogenes Hauptfutter.

DAS RICHTIGE FUTTER FÜR DIE RICHTIGE KATZE

Was für eine gesunde erwachsene Katze ein gutes Futter ist, muss für ein Kitten, eine trächtige Katze oder ein sehr altes Tier nicht gleichermaßen passen. Im Wachstum sind Energie- und Nährstoffbedarf anders als im Erwachsenenalter, weshalb junge Katzen ein dafür formuliertes Alleinfuttermittel benötigen. Schwieriger wird die Einordnung bei Senioren: Für alte Katzen gibt es kein einziges Nährstoffprofil, das automatisch für alle Tiere richtig wäre. Manche ältere Katzen neigen zu Übergewicht, andere verlieren Muskelmasse und Gewicht; Erkrankungen verändern den Bedarf zusätzlich. „Seniorfutter“ auf der Verpackung ist deshalb noch keine individuelle Ernährungsempfehlung.

Noch deutlicher wird die Individualität bei Erkrankungen. Eine Katze mit chronischer Nierenerkrankung braucht unter Umständen eine andere Nährstoffzusammensetzung als eine gesunde Katze; bei Diabetes können wiederum andere Kriterien wichtig sein, bei bestimmten Harnsteinen nochmals andere. Auch Futtermittelallergien oder Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts können eine gezielte Diät notwendig machen. Ein therapeutisches Futter ist deshalb nicht „besser“ als normales Katzenfutter, sondern für eine bestimmte medizinische Situation formuliert. Was für die eine Katze sinnvoll ist, kann für die nächste unnötig oder sogar ungeeignet sein.

Damit wird deutlich, warum die Frage nach dem „besten Katzenfutter“ zu kurz greift. Ernährungsqualität lässt sich immer nur im Verhältnis zur konkreten Katze beurteilen: zu ihrem Alter, ihrem Gewicht, ihrer Aktivität, ihrer Gesundheit und dazu, wie gut sie das Futter tatsächlich verträgt. Ein Futter kann auf dem Papier hervorragend zusammengesetzt sein und trotzdem für ein einzelnes Tier ungeeignet sein. Umgekehrt kann eine eher unspektakuläre Rezeptur genau das liefern, was diese Katze braucht.

Fazit

Was also ist gutes Katzenfutter? Für eine gesunde erwachsene Katze ist die Antwort im Alltag weniger kompliziert, als viele Diskussionen über Ernährung vermuten lassen. Ein kommerziell hergestelltes Alleinfuttermittel für erwachsene Katzen ist so zusammengesetzt, dass es den täglichen Nährstoffbedarf vollständig decken kann. Das gilt auch für Futter aus dem Supermarkt oder der Drogerie. Ein niedriger Preis macht ein Alleinfuttermittel nicht automatisch schlechter, ebenso wenig machen ein hoher Fleischanteil, Filetstücke oder eine besonders kurze Zutatenliste ein Produkt automatisch besser.

Auch „tierische Nebenprodukte“ sind kein Gegenargument. Hinter diesem wenig appetitlich klingenden Begriff können unter anderem Leber, Herz, Niere und andere tierische Bestandteile stehen, die für Katzen wertvolle Nährstoffe liefern. Dass Menschen ein Hühnerfilet attraktiver finden als Innereien, ist eine kulturelle Bewertung – keine ernährungsphysiologische. Umgekehrt sollte auch eine teuer inszenierte Marke nicht blind Vertrauen schaffen. Manche Hersteller bieten nebeneinander vollständige Alleinfuttermittel und Produkte an, die ausdrücklich nur Ergänzungsfutter sind. Der Markenname allein beantwortet deshalb nicht die entscheidende Frage.

Für eine gesunde Katze ist ein passendes Alleinfuttermittel aus dem Handel daher eine vernünftige und sichere Grundlage der Ernährung – unabhängig davon, ob es aus dem Fachhandel, dem Supermarkt oder der Drogerie stammt. Wer selbst kochen oder roh füttern möchte, kann eine ebenso bedarfsdeckende Ration zusammenstellen, muss deren Zusammensetzung aber deutlich genauer planen. Besondere Anforderungen entstehen bei Kitten, trächtigen oder säugenden Katzen und bei Erkrankungen; dort muss das Futter zur jeweiligen Situation passen. Für den normalen Alltag bleibt die wichtigste Orientierung erstaunlich unspektakulär: Alleinfuttermittel, passende Lebensphase, angemessene Futtermenge – und eine Katze, die damit Gewicht, Körperkondition und Gesundheit erhält.

Disclaimer

Dieser Artikel dient der allgemeinen wissenschaftlichen Information zur Ernährung gesunder und erkrankter Katzen. Er ersetzt keine individuelle tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Ernährungsberatung. Insbesondere bei Erkrankungen, therapeutischen Diäten, selbst zusammengestellten Rationen oder dem Verdacht auf eine Vergiftung sollte die Ernährung mit einer Tierärztin, einem Tierarzt oder einer entsprechend qualifizierten Fachperson abgestimmt werden.

Literaturverzeichnis

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